Die Dorfschule in Usmjony

Der Name des Dorfes Usmjony geht auf das slawische uzmen zurück, was so viel wie „Hochebene, Hochland“ bedeutet. In der Tat liegt der Ort auf einem Hügel oberhalb der westlichen Dwina.

Eine Gemeindeschule wird erstmals 1897 erwähnt. Offenbar fand die Unterweisung der Zöglinge im direkt neben der St. Nikolaus-Kirche (erbaut 1882) gelegenen Pfarrhaus statt. Eine weitere schriftliche Quelle zu der Schule stammt aus dem Jahr 1913 und beinhaltet Anweisungen des litauischen Diözesanschulrates zur Organisation des Unterrichts.

Zwischen 1921 bis 1939 gab es in Usmjony eine polnische Grundschule.

Nach einer vorübergehenden Unterbrechung während der Besetzung durch die Nationalsozialisten wurde der Schulbetrieb 1944 wieder aufgenommen. Zunächst als Förderschule mit sieben Jahrgängen geführt, war die Schule später bis 1988 Grundschule. Heute wird sie als allgemeinbildende Sekundarschule bezeichnet.

In den 1980-er Jahren wurde die Schule saniert und erweitert; spätestens seit dieser Zeit ist vom alten hölzernen Pfarrhaus nichts mehr zu sehen. Heute umfasst die Schule den Klassenzimmertrakt, die Verwaltung und eine Turnhalle. Auch ein kleines Heimatmuseum hat Platz gefunden – eingerichtet von einer ehemaligen Pädagogin der Schule, der engagierten Geschichtslehrerin Natalja Tomaschewitsch. Gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern plante und vollzog sie den Aufbau der Ausstellung, in der eine steinerne Pfeilspitze und eine Axt aus dem 4. Jahrtausend v. Chr., eine Geldbörse aus Silberdraht aus dem 19. Jahrhundert und Dokumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert gezeigt werden.

Seit dem 17. Jahrhundert befand sich Usmjony im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter. An der Wende zwischen dem 18. und 19. Jahrhunderts ließ der letzte Abkömmling der Grafen Schtschit auf seinem am von Uzmjony gegenüberliegenden Dwina-Ufer gelegenen Besitz Justinianowo ein Herrenhaus, eine Kapelle und eine Kirche bauen. Keines dieser herrschaftlichen Gebäude ist erhalten. Einzig die frühere, zum Gutshaus führende Allee gibt noch einen vagen Eindruck von der einstigen Schönheit der Anlage.

62 Schülerinnen und Schüler besuchten im Schuljahr 2021 / 2022 die Schule in Usmjony. Hinzu kam eine Vorschulgruppe mit 13 Kindern. Das Kollegium umfasst 17 Lehrkräfte.

Wärmepunkt

Zugang zum Heizungsraum eines mehrstöckigen Wohnhauses. Die Aufschrift lautet:

Wärmepunkt. Zutritt für Unbefugte verboten.

Schade – wo es doch so schön warm hinter dieser Türe ist…!

Unter weißen Flügeln

In Belarus mit seinen weiten Wiesenlandschaften und Feuchtgebieten ist der Weißstorch noch weit verbreitet. Zwischen Anfang April und Ende August sind die Vögel fester Bestandteil des ländlichen und dörflichen Lebens. Auf Bäumen, Gebäuden und den Holzmasten von Telefonleitungen kann man sie beim Nestbau und bei der Brutpflege beobachten – nicht selten Dutzende von Brutpaaren in den Dörfern und Weilern. Nicht umsonst nannte der Dichter Wladimir Korotkéwitsch (1930–1984) seine Heimat Belarus deshalb „Das Land unter weißen Flügeln“.

Immer noch fungiert der Weißstorch als eine Art inoffizielles Wahrzeichen von Belarus. Er galt als der Hüter der Wohnungen von Perun, dem obersten Gott in der slawischen Mythologie. Da ein Storchenpaar jahrelang zusammenbleibt, fungiert der Vogel im Volksglauben auch als Vorbild für ein harmonisches Familienleben und darüberhinaus – wegen seiner Ankunft nach dem Ende des Winters – als Vorbote des Frühlings. In ein Haus, auf dessen Dach Störche nisten, ziehen Glück und Harmonie ein, Zwietracht und Streit in der Familie enden, die Kinder wachsen gesund auf, und dem Hof wird eine gute Ernte beschieden sein. Die Farben von Gefieder, Beinen und Schnabel des Vogels werden mit der nationalen Farbsymbolik, insbesondere Rot und Weiß, assoziiert. Der südöstlich der Stadt Pinsk und nur 15 Kilometer von der Grenze zur Ukraine gelegene Ort Stolin führt einen Storch im Stadtwappen.

Eine der zahlreichen Sagen aus dem reichen belarussischen Märchenschatz erzählt von der Herkunft des Storchs. Vor urdenklichen Zeiten widersetzte sich ein Mann dem göttlichen Befehl, einen mit „greulichem Getier“ (Schlangen, Fröschen und Insekten) gefüllten Beutel in einen Abgrund zu schleudern. Stattdessen schnürte den Beutel auf, und die darin gefangenen Kreaturen entwischten. Der Mann wurde zur Strafe in einen Storch verwandelt und muss fortan ewig das einsammeln, was er einst aus Ungehorsam und Neugierde freiließ.

Das Kino „Freundschaft“

Das Kino „Druschba“ (Freundschaft) in Braslaw. Im Programm sind „Videofilme, nach Wahl des Publikums, täglich um 18 und um 20 Uhr, außer montags und dienstags“ sowie nachmittags um 16 Uhr Kinderfilme – ebenfalls gemäß der Zuschauerwünsche. Die Plakate rechts und links vom Eingang, die dies verkünden, sind handgemalt.

Im Gebäude sind einige Räumlichkeiten an kleine Handwerksbetriebe vermietet. Die Firma „Tele-Master“ offeriert die Reparatur von Fernsehern, Mobiltelefonen und Audio- und Videogeräten.

Und nach dem Betreten des Foyers bietet gleich rechts eine Schusterwerkstatt ihre Dienste an.

„Ausgang. Drücken“

Polozk

Polozk (belarusisch Polazk; abgeleitet vom nahe der Stadt gelegenen Fluss Polota) ist die älteste Stadt in Belarus. Erstmals erwähnt wird der Ort 862 in der ältesten erhaltenen ostslawischen Chronik, der Nestorchronik (verf. 1113-1118), doch archäologische Funde belegen, dass hier schon um 780 Menschen lebten. Mitte des 10. Jahrhunderts war die Siedlung mit Erdwällen geschützt. Im 11. Jahrhundert umgaben sie eine Fläche von 180 Hektar.

Aufgrund seines reichen historischen Erbes bietet Polozk eine große Zahl an Sehenswürdigkeiten

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts war Polozk Teil des Großfürstentums Litauen und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelszentrum. 1498 wurde der Stadt das Magdeburger Recht verliehen, das die Gerichtsverfassung, das Handels,- Erb- sowie das Strafrecht vereinheitlichte. Nach der zeitweiligen Eroberung von Polozk durch Iwan den Schrecklichen (1563) verlor die Stadt allmählich ihre wirtschaftliche Bedeutung. Nach den Teilungen Polens war sie im Russischen Reich nur noch eine bedeutungslose Kleinstadt.

In den Kriegen und Konflikten der Neuzeit spielte Polozk immer wieder eine Rolle. 1812 besiegten russische Truppen Teile von Napoleon Bonapartes Grande Armée. Polozk geriet durch die Kämpfe in Brand und musste evakuiert werden. Im Ersten Weltkrieg war es zwischen Frühjahr und Herbst 1918 von deutschen Truppen besetzt. Und zwischen 1919 und 1921 musste sich der neu konstituierte polnische Staat im Polnisch-Sowjetischen Krieg gegen Expansionsbestrebungen Russlands zur Wehr setzen; Polozk war in dieser Zeit unter polnischer Kontrolle, kam jedoch nach dem Friedensvertrag von Riga wieder an Sowjetrussland.

Am 30. Juni 1941 nahm die deutsche Wehrmacht Polozk ein. Fast alle der rund 8.000 in der Stadt ansässigen Juden wurden verschleppt und ermordet. Vier Jahre später (Juni bis August 1944) tobten dort im Rahmen der russischen Gegenoffensive die Kämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht; die Stadt wurde bis zu ihrer Befreiung im Juli fast vollständig zerstört. Sämtliche Industriebetriebe waren vernichtet, die Elektrizitätswerke, Bahnanlagen und die gesamte Lebensmittel-Infrastruktur lagen in Trümmern.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde die Stadt wiederaufgebaut. Sie hat heute rund 80.700 Einwohner, unter ihnen sind nur wenige hundert Menschen jüdischen Glaubens.

Die ehemalige Orthodoxe Theologische Schule (2. Hälfte 19. Jh.), heute Sitz der Bezirksverwaltung

Das Franziskanerkloster in Polozk

Die Anfänge des Polozker Franziskanerklosters gehen auf das Jahr 1628 zurück, als am rechten Ufer der Dwina (Düna) auf den Fundamenten noch älterer Vorgängerbauten die – zunächst hölzernen – Klostergebäude entstanden. 1763 wurde mit dem Bau einer gemauerten Kirche begonnen, die erst zwölf Jahre später vollendet wurde.

1778 kamen weitere, aus Stein gemauerte Gebäude hinzu, die der Unterbringung der Franziskanermönche dienten: zweistöckige Bauten, die den Barockstil des Gotteshauses entlang der Uferstraße fortführten und die bis heute erhalten sind.

Grundriss des Erdgeschosses; aus: Akademie der Wissenschaften der UDSSR (Hg.): Sbor pominkau gistoryi i kultury Belarusi. Wiebskaja Woblaz (Sammlung der historischen und Kultur-Denkmäler von Belarus, Gebiet Witebsk). Minsk 1985, S. 341, Abb. 1843.

Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1833 wurde es der russisch-orthodoxen Kirche überschrieben. Das Wohngebäude des Klosters diente fortan als Sitz für verschiedene Verwaltungseinrichtungen. Die Kirche ersetzte man Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Profanbau, der im 2. Weltkrieg vernichtet wurde.

Auch heute beherbergt das erhalten gebliebene Wohngebäude des Franziskanerklosters einige Büros, dient inzwischen jedoch zum Teil auch als Wohnhaus.

Das Jesuitenkolleg in Polozk

Im Jahr 1580 wurde in Polozk, unterstützt vom polnischen König und Großfürsten von Litauen, Stefan Batory (1533-1586), ein Jesuitenkolleg gegründet. Erster Rektor wurde der Jesuitenmönch Peter Skarga (1536-1612).

Die Gebäude des Kollegs sowie die zugehörige Kirche standen zunächst auf einer Insel im Fluss Dwina (Düna). Sie wurden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch einen Brand vernichtet, woraufhin das Kolleg am neuen Standort im Stadtzentrum nahe des (nicht erhaltenen) Oberen Schlosses neu erbaut wurde. Schließlich wurde 1750 ein neues, nun aus Stein gebautes, dreistöckiges Kollegiengebäude errichtet.

Nach der ersten polnischen Teilung (1772) gelangte der östliche Teil des heutigen Belarus, in dem sich auch Polozk befand, ans Russische Reich. Im folgenden Jahr löste Papst Clemens XIV. (1705-1774) den Jesuitenorden auf. Zarin Katharina II. ließ diese Entscheidung nicht umsetzen, da im russisch-orthodoxen Russland die päpstliche Autorität nicht anerkannt war. Auch wollte man die Bildungseinrichtungen, die vom Jesuitenorden betrieben wurden, nicht schließen. Und nicht zuletzt waren für die Katholiken in den ehemals polnischen Territorien, die nach der Teilung dem Russischen Reich zugefallen waren, weiterhin katholische Geistliche als Seelsorger nötig. So bestand das Jesuitenkolleg in Polozk weiter und wurde in Russland geistiges und geistliches Zentrum des Ordens.

Frontansicht des Kollegs. Aus: Juri Tschanturija: Belorusskoje gradostroitelnoje iskusstwo. Srednewekowoje nasledie, renessans, barokko, klassizism w sisteme jewropejskogo sodtschestwa (Die belorussische Stadtbaukunst. Das mittelalterliche Erbe, die Rennaisance, das Barock, der Klassizismus im System der europäischen Baukunst). Minsk 2017, S. 84.

Folgerichtig wurden die Klosteranlagen in den folgenden Jahren um verschiedene Verwaltungs- und Wirtschaftseinrichtungen erweitert. Getreidespeicher, Ställe, eine Remise, eine Bäckerei, eine Räucherei, eine Brauerei, Werkstätten, eine Druckerei und sogar eine Tuchfabrik wurden eingerichtet, ferner gab es eine Apotheke, ein Armenhaus und ein Konzerthaus. Das Kolleg wurde zu einer der reichsten Einrichtungen seiner Art in Belarus. Auch eine Reihe von Gutshöfen und deren Zweigbetrieben gehörten dazu, auf denen insgesamt mehrere tausend Menschen lebten und arbeiteten.

Plan des Jesuitenkollegs. Aus: Juri Tschanturija: Die belorussische Stadtbaukunst (a.a.O.)

Am 12. Januar 1812 wurde das Kolleg von Zar Alexander I. in eine Akademie mit den Rechten einer Universität umgewandelt. Sie bestand acht Jahre lang bis 1820 und war die erste höhere Bildungseinrichtung auf dem Gebiet des heutigen Belarus.

Der Eingang zum Jesuitenkolleg. Aus: Urbański, Antoni: Podzwonne na zgliszczach Litwy i Rusi (Ein Gruß an die Ruinen von Litauen und Russland). Warschau 1928, S. 159.

Als Anfang Februar 1820 der Generalobere des Jesuitenordens, Thaddeusz Brzozowski (geb. 1749) starb, verbannte Zar Alexander I. die Jesuiten aus dem Russischen Reich und löste die Akademie von Polozk auf. Die 60.000 Bände ihrer Bibliothek wurden an verschiedene Lehranstalten im gesamten Russischen Reich verteilt. Zwischen 1831 und 1833 wurden die Klostergebäude zu einer Militärschule für Kadetten umgebaut. Die Kirche wurde russisch-orthodox und dem Hl. Nikolaus geweiht.

In den darauffolgenden gut einhundert Jahren hatte Polozk in hohem Maße unter den Konflikten und Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts zu leiden. Als besonders verlustreich erwiesen sich die Besetzung der Stadt durch die deutsche Wehrmacht 1941 und die Kämpfe während der sowjetischen Gegenoffensive, die 1944 zur Befreiung der Stadt, aber auch zu ihrer fast gänzlichen Zerstörung führten. Die St. Nikolaus-Kathedrale stand als Ruine noch fast zwanzig Jahre, bis sie 1964 gesprengt wurde. Damit verlor das barock-klassizistische Ensemble endgültig seinen architektonischen Fixpunkt.

Die verbliebenen Gebäude wurden zwischen 2003 und 2005 restauriert. Heute sind darin die Fakultäten für Geisteswissenschaften und für Informatik der Staatlichen Universität Polozk untergebracht.

Das Häuschen Peters d. Gr. in Polozk

Das sogenannte „Häuschen Peters des Großen“ wurde 1692 im Barockstil als Wohnhaus gebaut und an der Wende zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert umgebaut. Als eines der wenigen, aus der Epoche des Polnisch-Litauischen Staates (1569-1795) erhaltenen steinernen Gebäude repräsentiert es den damals für kleine Wohnhäuser üblichen Baustil. Die Legende sagt, der russische Zar Peter I. habe in diesem Haus gewohnt, als er im Juli 1705 während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) zur Inspektion seiner Truppen in Polozk Halt machte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus stark beschädigt. 1949 wurde es instandgesetzt und als Kinderbibliothek genutzt. Seit 1998 beherbergt es das kulturhistorische Museum von Polozk. Die 2008 begonnene grundlegende Sanierung war zugleich Anlass für eine Neuaufstellung der ständigen Sammlung des Museums.

Das Dreikönigskloster in Polozk

Das Dreikönigskloster in Polozk wurde 1582 gegründet. Die Epiphaniaskirche wurde im 16. Jahrhundert als hölzerner Kirchenbau für eine russisch-orthodoxe Bruderschaft errichtet. Angrenzende hölzerne Gebäude kamen hinzu und beherbergten neben den Klosterräumlichkeiten und Mönchszellen auch eine theologische Schule. Hier lehrte von 1656 bis 1659 der bedeutende Polozker Dichter, Schriftsteller und Mönch Simeon Polozki (1629-1680). Jahrhundertelang war das Kloster das Zentrum des russisch-orthodoxen religiösen Lebens in Polozk.

1682 und 1775 brannten die hölzernen Gebäude nieder, und 1761 wurde mit dem Bau einer steinernen Kirche begonnen – ebenfalls unterbrochen durch einen Brand im Folgejahr, ehe die Weihe 1777 erfolgen konnte. Fertiggestellt wurde das Gotteshaus erst 1779, als Polozk bereits zum Russischen Reich gehörte. In den folgenden Jahren wurde auch das Kloster mit der angegliederten Klosterschule nach Plänen des italienischen Baumeisters Giacomo Antonio Domenico Quarenghi (1744-1817) neu errichtet.

Das Klostergebäude beherbergte außer den Mönchszellen und der Wohnung des Abtes zwei beheizte Winterkirchen. Auch eine Schule (betrieben zwischen 1784 und 1791 und 1812 und 1900) und das städtische Armenhaus, das zwischen 1792 und 1812 bestand, befanden sich in seinen Mauern.

Während der Oktoberrevolution wurde das Kloster geschlossen, doch in der Dreikönigskirche fanden weiterhin Gottesdienste statt. Später teilte das Kloster das Schicksal anderer Sakralbauten auf sowjetrussischem Gebiet. Die Kirche wurde in den 1930-er Jahren zur Turnhalle umfunktioniert und fand noch in den 1980-er Jahren als Kunst- und Ausstellungshalle Verwendung, nachdem sie zuvor grundlegend restauriert worden war.

1991 wurde das Gotteshaus an die Gläubigen zurückgegeben und steht seither unter dem Patronat der Diözese von Polozk. Die Kirche beherbergt berühmte Ikonen, unter denen die Ikone der Gottesmutter „Freude aller Trauernden“ bei den Gläubigen besondere Verehrung genießt. Im einstigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind ein Buchdruck-Museum und eine Bibliothek untergebracht.

Das verschwundene Landgut bei Teraspol

Noch vor einigen Jahren stand mitten auf einem Feld nahe des Dörfchens Teraspol eine Ruine, die bei der Fahrt auf der Landstraße R43 von Sluzk in Richtung Westen sogleich ins Auge fiel.

Etwa 18 Kilometer fährt man von Sluzk aus. Der zweistöckige, verputzte Ziegelbau hatte einen annähernd quadratischen Grundriss. Sein symmetrischer Aufbau, die noch erkennbaren dekorativen Elemente (etwa die halbbogenförmigen Fensteröffnungen, das mittig umlaufende Gesims und die Lisenen an den Gebäudecken) ließen vermuten, dass es sich, wenn nicht um ein Gutshaus, so doch um ein repräsentatives Neben- oder Wirtschaftsgebäude zu einem Landgut handelte.

Ein Blick in alte Landkarten bestätigt diese Vermutung. In einem historischen Plan ist sogar von einem Rittergut die Rede, das sich in unmittelbarer Nähe befand.

In dieser Landkarte aus dem Jahr 1866 ist die Rede von einem „Gosp. d. Tiraspol“ , einem „Herrenhaus Tiraspol“. Die Abkürzung „Kl.“ darüber weist auf einen Friedhof (kladbischtsche) oder eine Grablege hin.

Auch mehr als ein halbes Jahrhundert später hat sich nicht viel geändert:

Wie schon Mitte des 19. Jahrhunderts befindet sich das Landgut auch um 1915 auf einer von Bäumen und Büschen umgebenen Anhöhe.

Mitte der 1920-er Jahre ist erstmals von einer Fabrik (Fb.) die Rede:

Das war keine Seltenheit auf den größeren herrschaftlichen Landgütern. Dazu gehörten nicht nur Stallungen, Scheunen, Remisen und Werkstätten. Auch Mühlen, Brauhäuser, Brennereien und andere Einrichtungen zur Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte befanden sich auf den Hofanlagen. Eine etwa zur gleichen Zeit entstandene Landkarte präzisiert die Einrichtung:

Hier wurde eine Fabrik zur Gewinnung von Stärke (Fb. Krochm., poln. Fabryka Krochmalu) betrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der Ruine um die Grundmauern dieser, dem Herrenhaus angegliederte Einrichtung handelte, ist groß. Dem widerspricht auch nicht die für einen Zweckbau recht aufwendige Gestaltung. Die Gutsherren zeigten gern die Fortschrittlichkeit ihrer Betriebe und bezogen aus ihr neben dem finanziellen Gewinn auch einen großen Teil ihres Renommees. Interessant ist auch, dass es zu dieser Zeit ein Gotteshaus auf dem Gutshof gegeben hat, wie das entsprechende Symbol zeigt.

Auf einer deutschen Generalstabskarte aus dem Jahr 1944 hingegen ist von der Existenz des Landguts kaum mehr etwas erkennbar. Westlich der Brücke am unteren Rand des Kartenausschnitts glaubt man, noch einige Relikte der ehemals zur Anlage gehörenden Bauten erkennen zu können, doch weder die Kapelle noch das Herrenhaus selbst sind hier noch zu sehen.

Heute ist auch die letzte Ruine, die ehemalige Stärkefabrik, Zeugnis einer wechselvollen Geschichte dieses Ortes, vollständig abgetragen.

Die evangelische St. Marienkirche in Polozk

Die evangelische St. Marienkirche in Polozk wurde im Dezember 1888 feierlich geweiht. Bereits seit 1775 hatte es ein hölzernes Kirchengebäude für die deutsche evangelisch-lutherische Gemeinde gegeben, das wegen der ca. 850 Gläubigen, die die Gemeinde in Polotzk und Umgebung umfasste, zu klein geworden war.

Das rote, unverputzte Backsteingebäude im neogotischen Stil hat einen rechteckigen Grundriss mit Apsis. Die Hauptfassade wird vom zweistöckigen Turm mit seinem spitzen Dachhelm dominiert. Die Geschosse des Turms sind mit Gesimsen abgesetzt. Ins Gebäudeinnere gelangt man durch ein Spitzbogenportal; die Außenwände zieren rundum Strebepfeiler, Lanzettöffnungen und Fialen.

Bis zur Oktoberrevolution diente die neue Kirche ihrer Gemeinde als Andachts- und Versammlungsort. 1924 wurde sie endgültig ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Anfang der 1930-er Jahre wurde das regionale Heimatmuseum aus der Sophienkathedrale hierher verlegt. Nach dem 2. Weltkrieg nutzte man die Kirche zunächst als Kino und später als Getreidespeicher.

1948 wurde die Kirche endgültig zur neuen Heimat des Regionalgeschichtlichen Museums. Es präsentiert etwa 2.000 Exponate – von archäologischen Funden aus der Frühzeit bis hin zu Objekten des 20. Jahrhunderts. Historische Fotos, Waffen, Haushaltsgegenstände, Druckerzeugnisse und Zeitschriften veranschaulichen das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben in verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte.

Die Sophienkathedrale in Polozk

Die Sophienkathedrale in Polozk hat seit ihrem Bau im 11. Jahrhundert eine bewegte Geschichte und mehrmalige Metamorphosen durchlaufen. In ihrer ursprünglichen Form war sie eine an die gleichnamigen Kirchenbauten in Kiew und Nowgorod angelehnte Kuppelbasilika. Erbaut zwischen 1044 und 1066, erfuhr sie 1618 und 1642 erste Umgestaltungen. Während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) wurde die Kathedrale 1705 geschlossen; die Vorhalle (der Narthex) wurde als Depot für Schießpulver genutzt, welches 1710 explodierte. Die Kirche wurde dabei teilweise zerstört und stand als Ruine fast zwanzig Jahre lang leer.

Den Neu- bzw. Umbau im Stil des Wilnaer Barock initiierte der Bischof der katholische Ostkirche Florian Grebnizki (1683 – 1762), umgesetzt durch den Baumeister Johann Christoph Glaubitz (1700 – 1767).

1812 nutzten die Truppen Napoleon Bonapartes das Gotteshaus als Pferdestall. In der Synode von Polozk (1839) wandten sich einige Bischöfe und Geistliche der katholischen Ostkirche mit Bitte um deren Wiederaufnahme in die russisch-orthodoxe Kirche, und die Sophienkathedrale wurde zu einem russisch-orthodoxen Gotteshaus. Von 1911 bis 1914 erfolgte eine grundlegende Renovierung des Baus, zehn Jahre später wiederum wandelte die Sowjetmacht ihn in ein Heimatmuseum um. Zwischen 1942 und 1944, während der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht, wurden erneut Gottesdienste abgehalten; nach der Befreiung von Polozk durch die Rote Armee schloss man die Kirche wieder.

Heute dient die Kirche als Konzertsaal; die 1985 eingebaute Rieger-Kloss-Orgel fungiert ebenfalls vorwiegend als Konzertinstrument. Nur noch ein Mal jährlich wird am 5. Juni, dem Fest der Hl. Euphrasia von Polozk, ein Gottesdienst in der Sophienkathedrale abgehalten.

Das Gut der Rimski-Korsakows in Besdedowitschi

Im Dörfchen Besdedowitschi im Nordwesten der Region Vitebsk befindet sich das Anwesen des russichen Juristen und Staatsmannes Alexander Alexandrowitsch Rimski-Korsakow (1849-1922), eines Schwagers des berühmten russischen Komponisten Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow (1844-1908).

Besdedowitschi gehörte im Laufe seiner Geschichte zunächst zum Großherzogtum Litauen, später zur Republik Polen und schließlich zum Russischen Reich. Erst zu dieser Zeit gelangte das Grundstück, auf dem heute das Herrenhaus steht, an das Geschlecht der Rimski-Korsakows.

Alexander Rimski-Korsakow ließ das Anwesen Anfang des 20. Jahrhunderts errichten – auf einem Hügel am Rande des Dorfes, unweit des Flüsschens Uschatscha. Das zweigeschossige Haupthaus mit rechteckigem, annähernd quadratischem Grundriss fällt vor allem durch die Risalite auf, die prägnant aus dem Baukörper hervortreten. Die Fassade und die Seitenwände sind durch verschieden gestaltete Fensteröffnungen, Friese und Sockel aufgelockert. Ein (nicht erhaltener) Balkon überdachte den Haupteingang. Im Innern befanden sich im Erdgeschoss die Empfangsräume. Im ersten Stock, den man über eine aufwendige, bis heute genutzte Marmortreppe erreichte, lagen Rimski-Korsakows privaten Wohnräume.

Vor dem Hauptgebäude befand sich ein ansprechend gestalteter Hof, südlich des Hauses schloss sich ein Landschaftspark an, in dem neben anderen Bäumen Linden und Pappeln wuchsen. Zwei runde, von Zierbeeten umgebene Teiche und zwei Springbrunnen sind nicht erhalten.

Das Gebäude selbst zeigt jedoch immer noch sein ursprüngliches Äußeres. Nachdem es jahrelang als Krankenhaus und Pflegeheim gedient hatte, wurde es 2020 zum Verkauf ausgeschrieben und Ende Juni 2021 an einen Unternehmer aus Nowopolozk veräußert, der es gemäß seiner letzten Bestimmung weiterhin als „Ort für soziale Dienstleistungen“ nutzen will.

Im Park von Sarja

Die Inschrift lautet: Im Dorf Sarja verbrannten die Nationalsozialisten mehr als 300 friedliche Menschen bei lebendigem Leibe. Ewiges Andenken den Opfern des Faschismus!

Die Mariä-Entschlafens-Kirche in Sarja

Die Kirche ist eine einschiffige, neogotische Basilika mit rechteckigem Grundriss, einer fünfseitigen Apsis und zwei kleinen Sakristeien. Die Komposition der Hauptfassade ist dreiteilig gestuft. Den zentralen Teil bildet das Portal, das, flankiert von 5-seitigen Strebepfeilern mit Fialen, mit einem Ziergibel mit Rosette bekrönt wird.

Die Außenwände des Kirchenschiffs erhalten ihre ausgeprägte Plastizität durch die gestuften, mit Architraven verzierten Fensteröffnungen und eine durchgehende Arkade. Im Innern überdacht ein Kreuzgewölbe das Kirchenschiff. Die Empore mit einer bogenförmigen Balustrade wird von zwei Säulen getragen.

Der Adlige und Gutsbesitzer Ignati Dominik Lopatinski (1822-1882) beauftragte den preußischen Architekten Friedrich Gustav von Schacht (1820-1886) mit dem Entwurf einer Kirche zum Gedenken an Maria Lopatinskaja (geb. Szumska), die früh verstorbene Ehefrau des Gutsherrn. Der Architekt sah sich mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, dass der Bau sowohl die Schönheit der früh verstorbenen Gattin symbolisieren sollte als auch die Tiefe der Gefühle des Witwers für sie. Fünf Jahre nach Baubeginn wurde die Kirche 1857 vollendet.

Als mit der dritten polnischen Teilung (1795) die Existenz der polnisch-litauischen Adelsrepublik endete, fiel der größte Teil Weißrusslands an das Russische Reich, und in den folgenden Jahrzehnten setzte eine immer mehr zunehmende Russifizierungspolitik ein. 1839 löste Zar Nikolaus I. die Unierte Kirche auf (die in ostkirchlicher Tradition stand, deren Mitglieder aber römisch-katholischen Bekenntnisses waren). Die Gläubigen, der Großteil der weißrussischen Bauern, wurden in die Russisch-Orthodoxe Kirche eingegliedert. Der misslungene Aufstand von 1863 gegen diese und weitere Russifizierungsmaßnahmen führte zu deren nochmaligen Intensivierung, und in diesem Lichte ist ebenfalls die 1865 erfolgte Übereignung der Kirche von Sarja an die Russisch-Orthodoxe Kirche zu verstehen.

1935 wurde das Gotteshaus geschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand es als Lager und später als Tanzsaal und Klubhaus Verwendung, bevor es Ende der 1980-er Jahre teilweise restauriert und der katholischen Kirche zurückgegeben wurde. Bereits im Folgejahr wurde die Basilika der russisch-orthodoxen Mariä-Himmelfahrts-Gemeinde übereignet.

Noch 2009 war das Gebäude in schlechtem Zustand. Einer der Türme war zerstört, Teile der Seitenwände befanden sich im Zustand fortgesetzten Verfalls. Inzwischen ist die Kirche vollständig restauriert und kann als eines der schönsten und beeindruckendsten neugotischen Bauwerke in Belarus bestaunt werden.

Der Rundfunk-Tum in Grodno

Der Fernseh- und Rundfunkturm in Grodno ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Mit seinen 254 Metern Höhe überragt er alle anderen Bauwerke und erhebt sich weit über die neu entstehenden Hochhäuser.

Die erste Rundfunkantenne in Grodno war ein freistehender Radiomast mit einer Höhe von 75 Metern und einer Reichweite von ca. 15 Kilometern. Er befand sich auf der sogenannten Sobatschja Gorka, dem Hunde-Hügel unweit vom Bahnhof im Zentrum der Stadt.

Der Vorläufer des jetzigen Turmes war ein 139 Meter hoher Mast in Stahlrohr-Bauweise, der sich bereits am Standort des heutigen Sendeturms befand.

Baujahr: 1984
Bauzeit: 22 Monate
Grundfläche: 35 x 35 Meter
Höhe: 254 Meter

Quelle: https://ukrtvr.org/images/televezhi/machta%203_303_2-15.jpg


Das Konstruktionsprinzip (Stahlfachwerkturm; über 700 Tonnen Metall wurden verbaut) weist eine augenfällige Besonderheit auf: die vier horizontalen Arme, die die Spitze abspannen, ohne selbst am Boden verankert zu sein.

Schwesterbauwerke: Sender Astara, Aserbaidschan (243,90 Meter), Sender Witebsk, Belarus (244 Meter), Sender Wavre, Belgien (250 Meter; einziger Turm mit diesem Konstruktionsprinzip außerhalb der ehemaligen Sowjetunion).

Die letzte Renovierung fand 2013 statt. Industriekletterer aus Brest entfernten die alte Beschichtung vom Stahlskelett; danach wurden über 2 Tonnen Grundierung und Farbe neu aufgetragen.

Das verschwundene Landgut bei Kurapolje

Auf der Karte des westlichen Rußlands, 1917 herausgegeben von der Kartographischen Abteilung der Königlich Preußischen Landesaufnahme ist es noch eingezeichnet: das Landgut nahe dem Dorf Kurapolje, nur wenige Kilometer von der Grenze zum benachbarten Litauen entfernt.

Bis vor wenigen Jahren standen hier noch die Ruinen zweier Wirtschaftsgebäude.

Ihre Architektur, Bauweise und die verwendeten Baustoffe sind aber deutliche Beweise dafür, dass diese beiden Gebäude aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammen.

Das kleinere Gebäude mag ehedem eine Pumpe oder eine andere technische Vorrichtung beherbergt haben.

In unmittelbarer Nähe fließt das Flüsschen Lutschajka vorbei.

Vermittelten diese Bauten aus sowjetischer Zeit jahrelang ein betrübliches Bild, so sind sie inzwischen vollständig abgetragen. Vom Landgut, das sich ebenfalls auf diesem Areal befand, existieren ohnedies längst keine Spuren mehr.