{"id":706,"date":"2020-12-23T09:18:04","date_gmt":"2020-12-23T08:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=706"},"modified":"2022-12-29T23:55:46","modified_gmt":"2022-12-29T22:55:46","slug":"die-brauerei-in-grodno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=706","title":{"rendered":"Die Brauerei in Grodno"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">An der Stelle der heutigen Brauerei in Grodno stand bereits im 17. Jahrhundert der Palast der Familie Oginski. 1868 gelangte der Komplex in den Besitz des tschechischen Kaufmanns Johann Kunz. Nachdem er B\u00fcrger des Russischen Reiches geworden war, nahm er den Namen Osip Matwejewitsch Kunz an, baute die Palastgeb\u00e4ude um und nahm darin 1877 eine Brauerei in Betrieb. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt knapp ein Dutzend kleinerer Brauh\u00e4user, gegen die sich die neue Brauerei behaupten musste. Dank dieser Konkurrenz erfreute sich das in Grodno gebraute Bier \u00fcber lange Jahre und Jahrzehnte eines ausgezeichneten Rufes, und \u00fcber ein Jahrhundert lang wuchs der Erfahrungsschatz der Braumeister der Brauerei von Osip Kunz kontinuierlich an, wodurch ein gleichbleibend hohes Niveau des dort gebrauten Bieres gew\u00e4hrleistet wurde.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"550\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/11_Pivzavod_gr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-707\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/11_Pivzavod_gr.jpg 817w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/11_Pivzavod_gr-300x202.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/11_Pivzavod_gr-768x517.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Doch mit der Zeit veralteten die technischen Anlagen, die Entwicklung neuer Rezepturen wurde vers\u00e4umt, und ab den 1990-er Jahren sank die Qualit\u00e4t des Bieres merklich. Zun\u00e4chst konnte dies durch die Einf\u00fchrung von Schutzz\u00f6llen gemildert werden, was den Import ausl\u00e4ndischen Bieres verhinderte. Gleichzeitig stellten mehrere inl\u00e4ndische Brauereien ihren Betrieb zeitweilig ein und modernisierten ihre Brauereien grundlegend. Nach dieser letzten Gnadenfrist geriet die Brauerei in ernsthafte Schwierigkeiten, als die gro\u00dfen belarussischen Brauereien auf den Markt zur\u00fcckkehrten. 2007 stellte die Brauerei die Bierherstellung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Jahr verfolgte Pl\u00e4ne einer \u00dcbernahme durch die russische Gro\u00dfbrauerei &#8222;Baltika&#8220; scheiterten. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter \u00fcbernahm eine Investment-Firma namens &#8222;Ekoprominvest&#8220; den maroden Betrieb und versprach Stadtv\u00e4tern und B\u00fcrgern, ihn zu modernisieren, ein angegliedertes Hotel zu errichten und ein Biermuseum zu er\u00f6ffnen. Auch eine kleine Hausbrauerei sollte in Betrieb gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich aber hatte man nichts Eiligeres zu tun, als s\u00e4mtliches verwertbare Metall, darunter auch Anfang des 20. Jahrhunderts eingebaute historische Braukessel, aus der Brauerei abzutransportieren und als Altmetall zu Geld zu machen. Da &#8222;Ekoprominvest&#8220; weder den Kaufpreis vollst\u00e4ndig entrichten konnte, noch die mit dem Kauf verbundenen Auflagen erf\u00fcllen konnte, Geb\u00e4ude und Grundst\u00fcck zu sichern und f\u00fcr eine k\u00fcnftige Nutzung vorzubereiten, wurde das gesamte Areal 2014 ohne Zustimmung der Beh\u00f6rden an eine weitere Firma &#8222;Scha-Wa-S-Invest&#8220; weiterverkauft. Der neue Eigent\u00fcmer war somit nicht mehr an die dem Vorbesitzer auferlegten Bedingungen gebunden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"812\" height=\"550\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/22_Technikhaus_Pivzavod_gr.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-708\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/22_Technikhaus_Pivzavod_gr.jpg 812w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/22_Technikhaus_Pivzavod_gr-300x203.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/22_Technikhaus_Pivzavod_gr-768x520.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 812px) 100vw, 812px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Eine beh\u00f6rdliche Begehung der Geb\u00e4ude ergab, dass sie teilweise einsturzgef\u00e4hrdet waren und sich der gesamte Komplex in beklagenswertem, heruntergewirtschafteten Zustand befand. Durch richterliche Anordnung wurden s\u00e4mtliche Kaufvertr\u00e4ge anulliert und die Brauerei wieder in kommunalen Besitz zur\u00fcckgef\u00fchrt. Im Fr\u00fchjahr 2020 wurde die Anlage f\u00fcr 1,3 Millionen belarussische Rubel &#8211; umgerechnet gut 524.000 Euro &#8211; an einen polnisch-belarussischen Investor verkauft, der nun vier Jahre Zeit hat, die Geb\u00e4ude zu restaurieren und f\u00fcr die Nutzung herzurichten. Angedacht sind erneut ein Biermuseum, ein Hotel-Restaurant und eine kleine Hausbrauerei. Die Stadt Grodno hat aber auch eine partielle Nutzung f\u00fcr die Ansiedlung von Verwaltungs- und Dienstleistungseinrichtungen erlaubt. So bleibt abzuwarten, ob die Pl\u00e4ne diesmal in die Tat umgesetzt werden und der Brauerei Grodno ein zweites Leben beschieden sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Stelle der heutigen Brauerei in Grodno stand bereits im 17. Jahrhundert der Palast der Familie Oginski. 1868 gelangte der Komplex in den Besitz des tschechischen Kaufmanns Johann Kunz. Nachdem er B\u00fcrger des Russischen Reiches geworden war, nahm er den Namen Osip Matwejewitsch Kunz an, baute die Palastgeb\u00e4ude um und nahm darin 1877 eine &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-706","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sehenswuerdigkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/706","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=706"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/706\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1335,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/706\/revisions\/1335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}