{"id":582,"date":"2020-09-04T09:53:04","date_gmt":"2020-09-04T07:53:04","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=582"},"modified":"2020-09-06T08:47:23","modified_gmt":"2020-09-06T06:47:23","slug":"die-st-euphrasia-kirche-in-borowka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=582","title":{"rendered":"Die St. Euphrasia-Kirche in Borowka"},"content":{"rendered":"<p>In dem kleinen, heute 1300 Einwohner z\u00e4hlenden Ort Borowka wurde zwischen 1840 und 1844 die russisch-orthodoxe St.-Euphrasia-Kirche im klassizistischen Stil erbaut. Sie war f\u00fcr 300 Gl\u00e4ubige vorgesehen. Ab 1889 ist eine angegliederte kirchliche Schule nachgewiesen, die 1916 von 95 Sch\u00fclern besucht wurde. Mitte der 1930-er Jahre wurde die Kirche von den Sowjets geschlossen und diente bis in die 1990-er Jahre als Clubhaus und Lager.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-583\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/H_06_2017_07_07_uwf.jpg\" alt=\"\" width=\"571\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/H_06_2017_07_07_uwf.jpg 571w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/H_06_2017_07_07_uwf-300x300.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/H_06_2017_07_07_uwf-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/p>\n<p>Danach wurde das Gotteshaus der Gemeinde zur\u00fcckgegeben, und die Instandsetzungsarbeiten begannen. Der Ikonostas wurde 2000 restauriert und erneuert, f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter konnte die Gemeinde drei neue Glocken gie\u00dfen lassen, und der Kirchhof wurde neu gestaltet.<\/p>\n<p>Euphrasia von Polozk (um 1110 &#8211; 1167) war die erste auf dem Gebiet des heutigen Belarus heiliggesprochene Frau und gilt als Nationalheilige des Landes. Sie war die Tochter von F\u00fcrst Swjatoslaw Wsjeslawitsch von Witebsk (1101 &#8211; 1129). Nach Erreichen der Vollj\u00e4hrigkeit, die damals bei 12 Jahren lag, ging sie ins Kloster und bezog nach ihrem Noviziat eine M\u00f6nchszelle in der Sophienkathedrale in Polozk. Im Scriptorium der angegliederten Bibliothek kopierte sie kirchliche Schriften, arbeitete als \u00dcbersetzerin und war seelsorgerisch t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Nachdem Euphrasia drei Mal ein Engel erschienen war, g\u00fcndete sie im unweit von Polozk gelegenen Ort Selzo ein Kloster. Seine Erl\u00f6serkirche (1161) ist auf dem Gebiet des heutigen Belarus eines der bedeutendsten Beispiele der Polozker Sakralarchitektur.<\/p>\n<p>Euphrasia stiftete ebenfalls ein aufwendig gestaltetes, mit Edelsteinen und Reliquien versehenes Altarkreuz, das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aus der Kirche entfernt wurde, aber jedes Mal seinen Weg zur\u00fcck in die Erl\u00f6serkirche fand. 1929, in der Sowjetzeit, lie\u00df der Direktor des Minsker Belarussischen Staatsmuseums das Kreuz ins Staatliche Belarussische Museum nach Mogiljow bringen. In den \u00dcbergabeprotokollen wurde festgehalten, dass sich das Kreuz in schlechtem Zustand befand: 13 Heiligenbilder waren herausgebrochen bzw. zerst\u00f6rt, von den urspr\u00fcnglich zahlreichen Edelsteinen waren lediglich noch zwei vorhanden; viele der massiv goldenen und silbernen Verzierungen fehlten, und der Korpus selbst zeigte Spuren mehrfacher, unsachgem\u00e4\u00dfer Reparaturen. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs verschwand das Kreuz beim R\u00fcckzugs der Roten Armee endg\u00fcltig. Bis heute ist dieses belarussiche Nationalheiligtum nicht wieder aufgetaucht. Seit 1997 wird in der Erl\u00f6serkirche des Klosters in Polozk eine Neuanfertigung verehrt und bewahrt.<\/p>\n<p>Euphrasia veranlasste noch weitere Klostergr\u00fcndungen und rief auch ihre Schwester und eine Cousine zu sich ins Erl\u00f6serkloster. 1167 gelangte sie als Pilgerin nach Jerusalem, wo sie nach kurzer Krankheit im gleichen Jahr starb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem kleinen, heute 1300 Einwohner z\u00e4hlenden Ort Borowka wurde zwischen 1840 und 1844 die russisch-orthodoxe St.-Euphrasia-Kirche im klassizistischen Stil erbaut. Sie war f\u00fcr 300 Gl\u00e4ubige vorgesehen. Ab 1889 ist eine angegliederte kirchliche Schule nachgewiesen, die 1916 von 95 Sch\u00fclern besucht wurde. 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