{"id":467,"date":"2020-02-22T07:13:08","date_gmt":"2020-02-22T06:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=467"},"modified":"2020-10-03T00:35:05","modified_gmt":"2020-10-02T22:35:05","slug":"schloss-njaswisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=467","title":{"rendered":"Schloss Njaswisch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-469 size-full\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0317.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"852\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0317.jpg 570w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0317-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/p>\n<p>Schloss Njaswisch in der gleichnamigen, im S\u00fcdwesten Wei\u00dfrusslands gelegenen Stadt ist eines der herausragenden Architekturdenkm\u00e4ler des Landes. In seiner \u00fcber Jahrhunderte w\u00e4hrenden Geschichte hinterlie\u00dfen mittelalterliche Baukunst, Renaissance, Barock und Klassizismus ihre Spuren, erg\u00e4nzt durch die angewandte Kunst lokaler und regionaler Handwerksmeister.<\/p>\n<p>Als das Anwesen im Jahr 1533 in den Besitz der Familie Radziwill gelangte, gab es an der Stelle des heutigen Schlosses bereits einen Vorg\u00e4ngerbau. 1588 wurde dort unter der Leitung des italienischen Jesuitenm\u00f6nchs und Architekten Giovanni Maria Bernardoni (1541-1605) ein repr\u00e4sentativer steinerner Bau errichtet.<\/p>\n<p>Auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1604 ist das in direkter Nachbarschaft zum Ort Njaswisch gelegene Schloss bereits von W\u00e4llen, Wassergr\u00e4ben und Befestigungsmauern umgeben. Der Zugang erfolgte \u00fcber eine h\u00f6lzerne Br\u00fccke, die bei Bedarf beseitigt werden konnte, was die Anlage in eine kaum einnehmbare Festung verwandelte.<\/p>\n<p>Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Schloss nach dem Gro\u00dfen Nordischen Krieg (1700-1721), in dessen Verlauf die schwedischen Truppen 1706 die Stadt Njaswisch niederbrannten und die nur mit 200 unerfahrenen Soldaten besetzte Festung durch Kapitulation einnahmen. Die Verteidigungsanlagen wurden geschleift, das Schloss selbst gepl\u00fcndert und schwer besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Erst ab 1720 begannen unter Michal Kazimierz Radziwill (1702-1762) ernsthafte Wiederherstellungs- und Umbauarbeiten. Die Pl\u00e4ne daf\u00fcr stammten vom Architekten Kazimir Zdanovic (Lebensdaten unbekannt), bei der Umsetzung wirkten die Baumeister Maurizio Pedetti (1719-1799), Carlo Spampani (1750-1783) und Augustyn Wincenty Locci (1640-1732) mit. 1726 und in den darauffolgenden Jahren wurde der Umbau von der Festung zur barocken Residenz vollendet. Auch die R\u00e4umlichkeiten und das Interieur wurden wiederhergestellt und mit kunstvoll gefertigten M\u00f6beln, Gem\u00e4lden und anderen Attributen herrschaftlicher Repr\u00e4sentation ausgestattet.<\/p>\n<p>Schon das zweist\u00f6ckige Turmhaus mit seiner gew\u00f6lbeartigen Tordurchfahrt bietet dem Herannahenden einen imposanten Anblick.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-470\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0322.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"859\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0322.jpg 570w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0322-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/p>\n<p>Die steinerne Br\u00fccke davor ist eine der \u00e4ltesten des Landes und ersetzte im 18. Jahrhundert die vormalige, h\u00f6lzerne Br\u00fccke.<\/p>\n<p>Im Innenhof bildeten drei steinerne, freistehende Geb\u00e4ude ein repr\u00e4sentatives Ensemble. Den der Einfahrt gegen\u00fcberliegenden dreist\u00f6ckigen Palast bewohnte F\u00fcrst Radziwill. Links davon befand sich ein ebenfalls dreist\u00f6ckiger, kasernenartiger Bau mit einem hohen Wachturm, im rechten Fl\u00fcgel waren die Wirtschaftsr\u00e4ume untergebracht. Diese beiden zun\u00e4chst freistehenden Geb\u00e4ude wurden durch eine einst\u00f6ckige, sp\u00e4ter aufgestockte Galerie miteinander verbunden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-474\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0325.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0325.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0325-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0325-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n<p>Die Fassaden beeindrucken mit kunstvollen architektonischen Details: Pilastern, Reliefs, skulpturalen Elementen und Stuckverzierungen. Insbesondere der Mittelgiebel mit dem f\u00fcrstlichen Wappen war besonders reich verziert. Dieses Geb\u00e4ude mit seinem ann\u00e4hernd quadratischen Grundriss ist bis heute gut als &#8222;Keimzelle&#8220; des Palasts erkennbar.<\/p>\n<p>Im Innern gab es zw\u00f6lf S\u00e4le, von denen jeder individuell gestaltet und eingerichtet war. Schnitzereien, Stuck, Wandgem\u00e4lde und reich verzierte Kamine und Kachel\u00f6fen sorgten f\u00fcr ein standesgem\u00e4\u00dfes Ambiente, erg\u00e4nzt durch eine umfangreiche Gem\u00e4ldegalerie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-475\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0330.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0330.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0330-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0330-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-477\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0333.jpg\" alt=\"\" width=\"816\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0333.jpg 816w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0333-300x202.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0333-768x518.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 816px) 100vw, 816px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-478\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0337.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0337.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0337-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0337-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n<p>Mit 20.000 B\u00e4nden war die Bibliothek Ende des 18. Jahrhunderts der gr\u00f6\u00dfte B\u00fccherschatz in privater Hand, in dem auch seltene Handschriften und Erstauflagen bewahrt wurden. Ein eigenes Archiv beherbergte historische Akten, Urkunden und Briefe aus der Feder Peters d. Gr. Ludwigs XV., Ludwigs XVI., Karls XII. und anderer Herrscher und W\u00fcrdentr\u00e4ger.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-472\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0324.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"753\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0324.jpg 570w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0324-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Schon in den Vorg\u00e4ngerbauten hatte es eine f\u00fcrstliche Privatkapelle gegeben &#8211; in einem der achteckigen T\u00fcrme, die den urspr\u00fcnglichen Palastbau zierten. 1740 wurde im renovierten Schloss erneut eine Kapelle eingerichtet, f\u00fcr deren Gestaltung und Ausstattung wiederum Kazimir Zdanovic verantwortlich zeichnete &#8211; der Architekt, der in den 1720-er Jahren den Wiederaufbau des Schlosses geplant und beaufsichtigt hatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-479\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0343.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"753\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0343.jpg 570w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0343-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Die verschiedenen Geb\u00e4udeteile, die T\u00fcrmchen und Zierelemente er\u00f6ffnen je nach Standort des Betrachters mannigfaltige perspektivische Ein-, Aus- und Durchblicke, und der das Schloss umgebende Park, der mehr als 90 Hektar gro\u00df war, gab der herrschaftlichen Architektur den geb\u00fchrenden Rahmen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-471\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0323.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0323.jpg 800w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0323-300x200.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0323-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Im S\u00fcden des Ortes gab es noch einen weiteren Park, \u201eAlba\u201c genannt. Er war \u00e4lter und beherbergte die Sommerresidenz der Radziwills: einen h\u00f6lzernen Palast, einer &#8222;Eremitage&#8220; (in der tats\u00e4chlich Einsiedler speziell einquartiert wurden und wo auch der F\u00fcrst selbst Ruhe und Einkehr suchte; hier bewahrte er auch einen Teil seiner umfangreichen Ikonensammlung), ein Brauhaus, eine B\u00e4ckerei, einen Gem\u00fcse- und einen Obstgarten, ein Tiergehege und anderen Einrichtungen. Er umfasste etwa 200 Hektar, verf\u00fcgte \u00fcber ein ausgekl\u00fcgeltes Bew\u00e4sserungssystem und bestand aus einem geometrisch-regelm\u00e4\u00dfigen und einem natur\u00e4hnlich-unregelm\u00e4\u00dfigen Teil. Die Geb\u00e4ude sind nicht erhalten, lediglich die Kornbrennerei, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, zeugt mit ihrer Fassade mit Reminiszenzen an Jugendstil und Art D\u00e9co vom einstigen Geschmack und Kunstsinn der Radziwills.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-480\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/12_Weinfabrik_Radzivills-e1581715100530.jpg\" alt=\"\" width=\"463\" height=\"699\" \/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege wechselte Dominik Hieronimus Radziwill (1786-1813), der letzte Spross der Njaswischer Linie des F\u00fcrstengeschlechts, auf die Seite Napoleons und blieb ihm auch bei dessen R\u00fcckzug treu. Schloss Njaswisch war zeitweilig die Residenz <span class=\"no-wikidata\" data-wikidata-property-id=\"P1559\">J\u00e9r\u00f4me Bonaparte<\/span>s gewesen, Napoleons j\u00fcngeren Bruders (1784-1860). Zwar versuchte Dominik Radziwill beim R\u00fcckzug der franz\u00f6sischen Armee, die Rettung der auf Schloss Njaswisch bewahrten Kunstsch\u00e4tze und Sammlungen zu veranlassen, jedoch ohne Erfolg. Die aus mehr als 12.000 St\u00fccken bestehende M\u00fcnz- und Medaillensammlung gelangte an die Universit\u00e4t Charkow, die Sammlung religi\u00f6ser Kunst nach Moskau, der Gro\u00dfteil der \u00fcbrigen Kunstwerke wurde in die St. Petersburger Eremitage gebracht oder den Sammlungen des Zarenhofes einverleibt.<\/p>\n<p>Es folgten Jahrzehnte, in denen Schloss Njaswisch vernachl\u00e4ssigt wurde. Nicht nur die Polnische Revolution von 1830\/31, in der sich polnische Patrioten gegen die russische Besatzungsmacht erhoben, verhinderte eine konstante und best\u00e4ndige Bewirtschaftung des Schlosses und seiner L\u00e4ndereien. Das schwindende Interesse der Radziwills und ihre begrenzten M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme auf die Geschicke des Palastes taten ein \u00dcbriges. Er stand jahrelang leer, die Parkanlagen verwahrlosten.<\/p>\n<p>Erst Anton Wilhelm F\u00fcrst Radziwill (1833-1904), preu\u00dfischer Artilleriegeneral unter K\u00f6nig Wilhelm I., nahm sich des Schlosses an, um gegen\u00fcber dem Russischen Reich die Besitzrechte an den auf russischem Staatsgebiet liegenden G\u00fctern der Radziwills nicht zu verlieren. 1865, beim ersten Besuch eines Radziwill auf dem Stammsitz seit einem halben Jahrhundert, war die Residenz in so schlechtem Zustand, dass der F\u00fcrst mit seiner Gattin R\u00e4umlichkeiten in einem Palais eines Verwandten in Njaswisch beziehen musste. Erst zehn Jahre sp\u00e4ter war das Schloss so weit gesichert und teilweise instandgesetzt, dass die Familie es wieder in Besitz nehmen konnte. Unter gro\u00dfen Anstrengungen konnten bis zur Jahrhundertwende Teile der Kunstsammlung, der historischen Waffensammlung, der Sammlung von Siegeln des Gro\u00dff\u00fcrstentums Litauen und schlie\u00dflich auch ein Teil des Archivs wieder nach Schloss Njaswisch geholt werden. Auch die Parkanlagen wurden Schritt f\u00fcr Schritt in urspr\u00fcnglicher Sch\u00f6nheit und Gr\u00f6\u00dfe wiederhergestellt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des 1. Weltkriegs und den Revolutionsjahren blieb die gesamte Anlage im Wesentlichen unver\u00e4ndert. Das \u00e4nderte sich 1939, als die Sowjetmacht mit der Residenz zun\u00e4chst nichts anzufangen wusste. Pl\u00e4ne, sie in ein Museum, ein Technikum f\u00fcr Stra\u00dfenbau oder ein Erholungsheim zu verwandeln, wurden zwar zun\u00e4chst nicht umgesetzt, aber die Kunstsammlungen und die Bibliothek wurden erneut auf verschiedene Institutionen verteilt. Viele dieser Sch\u00e4tze gingen verloren &#8211; diesmal unwiederbringlich.<\/p>\n<p>Im 2. Weltkrieg betrieben die Deutschen im Schloss ein Milit\u00e4rhospital. Viele der zu dieser Zeit im Schloss noch vorhandenen Kunstsch\u00e4tze wurden w\u00e4hrend dieser Zeit nach Berlin verbracht. Unmittelbar nach Kriegsende gelang es zwar, einen Teil davon zur\u00fcckzuholen, doch sie gelangten nicht mehr nach Njaswisch. Das Radziwill-Archiv wurde Teil des Nationalen Historischen Archivs von Belarus, die Bibliothek wurde in die Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Wei\u00dfrussischen SSR eingegliedert.<\/p>\n<p>Im Schloss selbst wurde ein Sanatorium f\u00fcr Patienten mit Nerven- und Herz-Kreislauferkrankungen eingerichtet. Die daf\u00fcr notwendigen Umbauten lie\u00dfen kaum einen Bereich unber\u00fchrt, so dass zur Jahrtausendwende im Innern der einstigen Residenz nichts mehr an die fr\u00fchere f\u00fcrstliche Pracht erinnerte. Das Sanatorium <em>Belmeschkolchossdrawnizy<\/em> wurde 2001 geschlossen, das Schloss mitsamt seiner Parks dem belarussischen Kulturministerium zur Restaurierung \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Doch erst nach einem Brand im Dezember 2002 begannen die Arbeiten zur Sicherung und Wiederherstellung der Residenz. Sie dauerten ein volles Jahrzehnt und waren nicht unumstritten. Experten bem\u00e4ngelten, dass moderne Techniken und Materialien zur Anwendung kamen, die die urspr\u00fcnglichen architektonischen Charakteristika verf\u00e4lschten oder gar vernichteten und damit den international anerkannten Methoden zur Erhaltung historischer Bausubstanz widersprachen.<\/p>\n<p>2005 wurde die gesamte Anlage in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.<\/p>\n<p>Heute ist Schloss Njaswisch eines der ber\u00fchmtesten nationalen Denkm\u00e4ler von Belarus und wird j\u00e4hrlich von Hunderttausenden Touristen aus dem In- und Ausland besucht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-484\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0351.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0351.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0351-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC0351-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schloss Njaswisch in der gleichnamigen, im S\u00fcdwesten Wei\u00dfrusslands gelegenen Stadt ist eines der herausragenden Architekturdenkm\u00e4ler des Landes. 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