{"id":223,"date":"2019-08-30T12:10:06","date_gmt":"2019-08-30T10:10:06","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=223"},"modified":"2019-12-10T23:49:54","modified_gmt":"2019-12-10T22:49:54","slug":"interview-mit-galjasch-saljawa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=223","title":{"rendered":"Interview mit Galjasch Saljawa"},"content":{"rendered":"<p>Galjasch Saljawa lebt im Norden Wei\u00dfrusslands &#8211; in Braslaw, einer kleinen, von Seen umgebenen Stadt. Dort organisiert er verschiedene Veranstaltungen, setzt sich f\u00fcr die wei\u00dfrussische Sprache ein und betreibt das Internetportal Braslaw.by. Im nachfolgenden Interview berichtet Galjasch \u00fcber sein Leben in Braslaw.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/braslaw.by\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-224 size-full\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Logo_Braslaw_by.jpg\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"122\" \/><\/a><\/p>\n<p>Erz\u00e4hlen Sie kurz etwas \u00fcber sich. Ausbilung, Beruf, Arbeit, Hobbies&#8230;<\/p>\n<p><em>Ich bin Freelancer. Ich habe zwei Ausbildungen als Fotograf und Journalist. Ich bin aber auch gesellschaftlicher Aktivist, mache ein bisschen Musik und noch viel Anderes, was mir gerade nicht einf\u00e4llt&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Wie stehen Sie zu Ihrer Heimat und der Region, in der Sie aufgewachsen sind?<\/p>\n<p><em>Ich habe das Wort &#8222;Heimat&#8220; nie verstanden, denn ich denke in kosmischen Ma\u00dfst\u00e4ben&#8230;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Welche Rolle spielt die wei\u00dfrussische Sprache gegenw\u00e4rtig im Leben Ihres Landes?<\/p>\n<p><em>Die wei\u00dfrussische Sprache befindet sich in keiner besonders guten Lage. Zwar ist es offiziell eine der beiden Staatssprachen, tats\u00e4chlich wird das Wei\u00dfrussische aber viel weniger verwendet als das Russische. Obwohl &#8211; aktuell wird die wei\u00dfrussische Sprache zunehmend zum Trend und wird in der Werbung, dem Gesch\u00e4ftsleben und von der fortschrittsorientierten Jugend gebraucht.<\/em><\/p>\n<p>In welcher Sprache kommunizieren Ihre Bekannten und Freunde?<\/p>\n<p><em>Meine Freunde in erster Linie auf Russisch, aber ich habe auch viele Bekannte, die sich auf Wei\u00dfrussisch unterhalten. Insgesamt ist der Kreis der Weirussischsprachigen im Lande klein, fast alle kennen sich untereinander.<\/em><\/p>\n<p>Und welche Bedeutung hat das Wei\u00dfrussische f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich?<\/p>\n<p><em>Fr\u00fcher war Sprache f\u00fcr mich etwas Sakrales, Bedeutsames, ich war zu einem gewissen Grade Nationalist. Inzwischen ist mir klar, dass es sich einfach um ein Mittel zur Kommunikation handelt, und ich r\u00e4ume der Sprache keine so gro\u00dfe Bedeutung mehr ein wie fr\u00fcher. Fragen rund um die Sprache machen mir nicht mehr so viele Sorgen &#8211; Hauptsache, die Menschen verstehen einander.<\/em><\/p>\n<p>Wie stehen Sie zur Verwendung des Russischen in Ihrem Land?<\/p>\n<p><em>Neutral. Es ist Ergebnis der historischen Entwicklung. Wobei ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, dass es eine mit dem Wei\u00dfrussischen gleichbedeutende Stellung hat.<\/em><\/p>\n<p>Ihre Meinung zur Rolle der russischen Sprache als lingua franca der GUS-Staaten bzw. der UdSSR-Nachfolgestaaten?<\/p>\n<p><em>So ist es ja. Nur eben nicht offiziell.<\/em><\/p>\n<p>Sie organisieren Kulturveranstaltungen unter Betonung der wei\u00dfrussischen Kultur und Sprache. Welchen Raum geben Sie dieser T\u00e4tigkeit in Ihrem Leben? Wie stehen Beh\u00f6rden und staatliche Institutionen dazu?<\/p>\n<p><em>Ich mache das nur, weil es mir gef\u00e4llt und weil es mir liegt. Mag fr\u00fcher ein nationaler Hintergedanke existiert haben, so hat meine Einstellung heute keine zus\u00e4tzliche F\u00e4rbung mehr. Die Beh\u00f6rden unterst\u00fctzen mich gelegentlich, indem sie R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung stellen, sind aber insgesamt ausgesprochen passiv und betrachten jede Art von Initiative ohne jeden Enthusiasmus. Von Zeit zu Zeit bin ich gezwungen, um Hilfe zu bitten &#8211; obwohl sie doch die Beh\u00f6rden von sich aus anbieten sollten.<\/em><\/p>\n<p>Wegen unserer Geschichte stehen wir Deutschen dem Wort Patriotismus zur\u00fcckhaltend gegen\u00fcber. Geben Sie diesem Begriff eine bestimmte Bedeutung und wenn ja, welche?<\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df nicht, was das hei\u00dft &#8211; Patriotismus. Ich glaube, in Wei\u00dfrussland gibt es ihn nicht. Es gibt nur Pathos.<\/em><\/p>\n<p>Wo sehen Sie Ihr Land im Lichte der politischen Entwicklungen? N\u00e4her an der EU oder n\u00e4her an Russland?<\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcrde mein Land weder gern im Kontext der EU sehen und schon gar nicht in engem Verbund mit Russland. Sondern so, wie es momentan ist: unabh\u00e4ngig. Und als Ideal: Dass mein Land der Welt Trends anbieten w\u00fcrde, im IT-Bereich zum Beispiel. So eine Art S\u00fcdkorea. Aber vorerst ist das Utopie.<\/em><\/p>\n<p>Die Menschen im westlichen Europa machen sich kaum klar, dass es auch in Wei\u00dfrussland eine junge Generation mit ihrer eigenen, besonderen Lebensweise gibt. K\u00f6nnen Sie die junge Generation Ihres Landes beschreiben?<\/p>\n<p><em>Die Jugend ist bei uns wahrscheinlich so wie \u00fcberall &#8211; es gibt Leute, die mitdenken, es gibt Leute, die kreativ sind, es gibt aber auch Leute, die passiv und konsumorientiert leben.<\/em><\/p>\n<p>Sie besch\u00e4ftigen sich mit k\u00fcnstlerischer Fotografie. Ist sie f\u00fcr Sie ein Mittel zur Informationsvermittlung oder ein eigenst\u00e4ndiger Bereich innerhalb Ihres Schaffens?<\/p>\n<p><em>Die Fotografie ist f\u00fcr mich ein Instrument zur Selbsterkenntnis. Gewisserma\u00dfen einer meiner &#8222;Wecker&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr das Interview.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Galjasch Saljawa lebt im Norden Wei\u00dfrusslands &#8211; in Braslaw, einer kleinen, von Seen umgebenen Stadt. Dort organisiert er verschiedene Veranstaltungen, setzt sich f\u00fcr die wei\u00dfrussische Sprache ein und betreibt das Internetportal Braslaw.by. Im nachfolgenden Interview berichtet Galjasch \u00fcber sein Leben in Braslaw. Erz\u00e4hlen Sie kurz etwas \u00fcber sich. 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