{"id":146,"date":"2019-05-30T21:15:01","date_gmt":"2019-05-30T19:15:01","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=146"},"modified":"2019-09-10T23:22:47","modified_gmt":"2019-09-10T21:22:47","slug":"poststationen-in-weissrussland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=146","title":{"rendered":"Poststationen in Wei\u00dfrussland"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-55\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0184.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0184.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0184-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0184-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n<p>Die Entstehung von Poststationen geht auf dem Territorium des Russischen Reiches bis in die Zeit Peters d. Gr. (1672-1725) zur\u00fcck. Im Zuge der Entwicklung von Verkehrswegen musste die f\u00fcr die schnelle Bef\u00f6rderung von Depeschen und anderen Dokumenten n\u00f6tige Infrastruktur ausgebaut werden \u2013 insbesondere der regelm\u00e4\u00dfige Wechsel der Postpferde war von gro\u00dfer Bedeutung. Zun\u00e4chst nur in h\u00f6lzernen Bauernh\u00e4usern und improvosierten landwirtschaftlichen Geb\u00e4uden untergebracht, wurde die Entwicklung solcher Stationen in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts zunehmend planvoll angegangen (\u201ePlan zur Einf\u00fchrung von Poststationen und Amtsbezeichnungen ihrer Inhaber\u201c vom 22.03.1770).<\/p>\n<p>Das Gebiet des heutigen Wei\u00dfrussland geh\u00f6rte zu dieser Zeit zum Doppelstaat Polen-Litauen, der in drei Teilungen zwischen 1772 und 1793 zerschlagen wurde. Wei\u00dfrussland fiel dabei vollst\u00e4ndig unter russische Herrschaft, was die rasche Angleichung der Verkehrs-Infrastruktur an die im russischen Reich \u00fcblichen Standards erforderlich machte.<\/p>\n<p>Die bis dahin in unregelm\u00e4\u00dfigen Entfernungen unterhaltenen h\u00f6lzernen Stationsgeb\u00e4ude, die sich kaum von gew\u00f6hnlichen Bauernh\u00fctten unterschieden, wurden bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts durch besser geeignete Bauten ersetzt. In den 1830-er Jahren existierten \u2013 insbesondere auf den wichtigen Verkehrswegen nach Westeuropa \u2013 um die 70 Poststationen, von denen etwa ein Drittel aus Stein erbaut war. Grundriss und Architektur folgten der (auch im \u00fcbrigen Gebiet des Reiches erst 1820 per Dekret festgelegten) Typologie: Die Fassade des eingeschossigen Stationsgeb\u00e4udes war der Stra\u00dfe zugewandt; im Innern befanden sich das B\u00fcro des Stationsvorstehers und R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste. Je nach Bedeutung und Gr\u00f6\u00dfe der Station waren hier Tische, St\u00fchle und ein Buffet untergebracht, wo die Reisenden Kaffee, Tee und auch Spirituosen kaufen konnten.<\/p>\n<p>Rechts und links des Geb\u00e4udes schlossen sich die Tore f\u00fcr Zu- und Abfahrt der Fuhrwerke und Equipagen an. Das gesamte Grundst\u00fcck war seitlich und nach hinten durch einen Zaun oder eine Mauer eingefasst, an deren L\u00e4ngs- und Querseiten sich Wirtschaftsgeb\u00e4ude, eine Remise, Scheunen, Stallungen und Unterk\u00fcnfte f\u00fcr die Bediensteten der Fahrg\u00e4ste befanden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-56\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Plan_Poststation.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Plan_Poststation.jpg 333w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Plan_Poststation-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/p>\n<p><em>Abb. aus: Tschatorowa, E. R.: Architekturnaja tipologija potschtowych stanzionnych domow Moskowsko-Sibirskogo trakta w Tomskoj gubernii XIX v. (Die architektonische Typologie der Poststationsh\u00e4user des Fernweges von Moskau nach Sibirien im Gouvernement Tomsk im XIX Jahrhundert), Tomsk 2015, S. 78.<\/em><\/p>\n<p>Es handelte sich bei diesen Poststationen also nicht nur um ein einzelnes Geb\u00e4ude sondern um einen zusammenh\u00e4ngenden, zweckm\u00e4\u00dfigen architektonischen Komplex. 1823, 1843 und 1846 \u00fcberarbeitete die Regierung die 1820 eingef\u00fchrte Typologie dieser Anlagen. Je nach Gr\u00f6\u00dfe entsprach die einzelne Station einer festgelegten, von I bis IV nummerierten Kategorie. Kleinere und gr\u00f6\u00dfere Stationen wechselten sich entlang der Stra\u00dfe ab. Auf drei bis vier kleinere Stationen, teilweise ohne eignen Hof und Wirtschaftsgeb\u00e4ude, folgte eine gr\u00f6\u00dfere mit den bereits erw\u00e4hnten Annehmlichkeiten f\u00fcr Reisende und Bedienstete. In historischen Akten ebenso wie in zeitgen\u00f6ssischen Reiseberichten gibt es jedoch Hinweise darauf, dass die Bauvorschriften oft nicht immer eingehalten wurden, sondern sich im Gegenteil Anspruch und Wirklichkeit deutlich unterschieden und der Reisende anstelle einer zweckm\u00e4\u00dfigen, einen gewissen Komfort bietenden Anlage vernachl\u00e4ssigte Geb\u00e4ude vorfand, die sich kaum von den Bauernh\u00fctten der angrenzenden Weiler unterschieden.<\/p>\n<p>Heute gibt es in Wei\u00dfrussland noch rund f\u00fcnfzig historische Poststationen. Ihrem urspr\u00fcnglichen Zweck dienen nur noch wenige; gelegentlich ist eine Postfiliale darin untergebracht, aber viele werden als Wohnh\u00e4user genutzt, andere beherbergen Gesch\u00e4fte, und nicht wenige befinden sich \u2013 seit Jahren ungenutzt \u2013 in unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Ihr geschlossener Grundriss und ihre einstige Bestimmung sind jedoch vielfach noch gut erkennbar, insbesondere, wenn nicht nur das Stationsgeb\u00e4ude selbst erhalten ist, sondern auch die Hofanlage dahinter. Oft finden sich diese Denkm\u00e4ler inzwischen innerhalb der Ortschaften, die sie einst miteinander verbanden. Im Laufe der Jahrezehnte erweitert, erreichte die st\u00e4dtische Besiedlung schlie\u00dflich die vormals einzeln gelegenen Poststationen, die ins Stadtbild eingegliedert wurden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-147\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0185_gr.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0185_gr.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0185_gr-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0185_gr-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-54\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0180_mi.jpg\" alt=\"\" width=\"828\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0180_mi.jpg 828w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0180_mi-300x199.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC0180_mi-768x510.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 828px) 100vw, 828px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entstehung von Poststationen geht auf dem Territorium des Russischen Reiches bis in die Zeit Peters d. 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