{"id":100,"date":"2019-05-29T21:30:06","date_gmt":"2019-05-29T19:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=100"},"modified":"2019-09-10T23:24:15","modified_gmt":"2019-09-10T21:24:15","slug":"die-grosse-synagoge-in-grodno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/?p=100","title":{"rendered":"Die Gro\u00dfe Synagoge in Grodno"},"content":{"rendered":"<p>In Grodno steht an der Bolshaja-Troizkaja-Stra\u00dfe 29a die eindrucksvolle Gro\u00dfe Synagoge von Grodno, sichtbares Zeugnis einer siebenhundertj\u00e4hrigen Tradition j\u00fcdischen Lebens in dieser Stadt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-104\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_syn_.jpg\" alt=\"\" width=\"570\" height=\"572\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_syn_.jpg 570w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_syn_-150x150.jpg 150w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_syn_-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><br \/>\nDas Geb\u00e4ude der heutigen Synagoge, erbaut im neorussischen Stil, datiert vom Anfang des 20. Jahrhunderts und steht am Platz einer sehr viel \u00e4lteren, h\u00f6lzernen Synagoge aus dem 16. Jahrhundert, die 1902 abgebrannt war. W\u00e4hrend der Besatzungszeit durch das nationalsozialistische Deutschland entging Grodno aufgrund seiner grenznahen Lage als eine der wenigen wei\u00dfrussischen St\u00e4dte der Vernichtung. Auch die Synagoge blieb erstaunlicherweise erhalten, wurde jedoch ausgeraubt und erlitt tiefgreifende Sch\u00e4den durch Gesch\u00fctzeinschl\u00e4ge. Nach dem Krieg wurde sie nicht restauriert, sondern als Lager eines Gefl\u00fcgelzuchtkombinats und der Apothekenverwaltung verwendet; sp\u00e4ter befanden sich hier Werkst\u00e4tten f\u00fcr industrielles Kunsthandwerk. 1991 wurde das Gotteshaus der j\u00fcdischen Gemeinde Grodno zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Die Fotos auf dieser Seite zeigen den Zustand der Synagoge w\u00e4hrend der Restaurierungsarbeiten. Die Fassade war bereits gesichert, das Dach neu eingedeckt und der Hauptgebetsraum gr\u00f6\u00dftenteils wiederhergestellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-105\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_syn_hi_gr.jpg\" alt=\"\" width=\"825\" height=\"550\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_syn_hi_gr.jpg 825w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_syn_hi_gr-300x200.jpg 300w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_syn_hi_gr-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 825px) 100vw, 825px\" \/><br \/>\nMan nimmt an, dass Juden in Grodno bereits im 12. Jahrhundert lebten; sichere Zeugnisse liegen seit dem 14. Jahrhundert vor. Im 17. Jahrhunderts war die j\u00fcdische Gemeinde Grodnos neben denen in Brest und Pinsk eine der drei bedeutendsten Litauens, und zu Beginn des 18. Jahrhunderts machten die j\u00fcdischen Bewohner den gr\u00f6\u00dften Teil der Stadtbev\u00f6lkerung aus. Ihre Hauptbet\u00e4tigungsfelder waren Handel, Handwerk und Industrie.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Juden in Grodno immer wieder unter Diskriminierungen zu leiden, die vielfach in Pogromen gipfelten. Bereits 1495 wurden alle Juden des F\u00fcrstentums Litauen von ihren Wohnsitzen vertrieben und ihr Eigentum beschlagnahmt. Auch im 20. Jahrhundert litten die Grodnoer Juden unter solchen Ma\u00dfnahmen, und zwar nicht erst w\u00e4hrend der deutschen Besatzungszeit. So vertrieben im April 1915 Kosakeneinheiten der russischen Armee die gesamte j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung aus der Stadt.<\/p>\n<p>In der kurzen Zugeh\u00f6rigkeit Grodnos zu Polen (1920-1939) stieg der Anteil der j\u00fcdischen Einwohner wieder auf \u00fcber 50 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung an, sie waren jedoch weiterhin fortgesetzten Benachteiligungen ausgesetzt. Als Grodno im Jahre 1939 von sowjetischen Truppen eingenommen wurde, kam es in dem kurzen Zeitabschnitt zwischen dem Abzug der polnischen Verb\u00e4nde und der Einnahme der Stadt durch die sowjetische Armee zu einem weiteren gro\u00dfen Pogrom. Im Folgejahr 1940 wurde die Synagoge geschlossen.<\/p>\n<p>Am 23. Juni 1941 schlie\u00dflich nahmen nationalsozialistische Verb\u00e4nde die Stadt ein. Die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung (ca. 25.000 Menschen) wurde enteignet und in zwei Ghettos interniert. Ihnen stand ein \u201eJudenrat\u201c vor, der nicht nur das Leben im Ghetto zu organisieren hatte, sondern auch gezwungen wurde, die Listen der in die Vernichtungslager zu deportierenden Menschen zu f\u00fchren. Innerhalb der Ghettos kam es wiederholt zu willk\u00fcrlichen Erschie\u00dfungsaktionen, so z.B. im Juli 1941, als die sogenannte \u201eEinsatzgruppe B\u201c etwa 100 j\u00fcdische Intellektuelle ermordete. Auch in der Folgezeit r\u00e4chte sich die deutsche Besatzungsmacht mit solchen Aktionen f\u00fcr Sabotageakte einer Untergrundorganisation, die sich in den Ghettos gebildet hatte.<\/p>\n<p>Im November und Dezember 1942 wurde das Ghetto Nr. 2 aufgel\u00f6st, im Januar und Februar darauf das Ghetto Nr. 1. Die Juden wurden in ein Verteilungslager nahe Grodno getrieben, in dem bereits viele Menschen starben. Die \u00dcberlebenden kamen sp\u00e4ter in den deutschen Konzentrationslagern in Polen um.<\/p>\n<p>Wenige \u00dcberlebende kehrten nach dem Krieg in die Stadt zur\u00fcck, aber die Gemeinde erholt sich bis heute nur langsam von ihrer fast vollst\u00e4ndigen Vernichtung. Sie umfasst gegenw\u00e4rtig nur einen Bruchteil ihrer fr\u00fcheren Gr\u00f6\u00dfe. Die verbliebenen Gemeindemitglieder verhinderten den vollst\u00e4ndigen Verfall ihrer Synagoge durch gro\u00dfes privates praktisches wie finanzielles Engagement. Gleichwohl reichte dieser Einsatz nicht aus, um das Gotteshaus f\u00fcr kommende Generationen zu erhalten. Seit dem Sommer 2008 wurde in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 880-j\u00e4hrigen Stadtjubil\u00e4um Grodnos die Fassade restauriert. Der Innenraum, ebenfalls aufwendig wiederhergestellt, ist der einzige vollst\u00e4ndig erhaltene j\u00fcdische Gebetsraum des Landes und beeindruckt mit seiner mit neogotischen Elementen angereicherte Monumentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein Brand im Jahr 2013 zerst\u00f6rte einen Raum im Obergeschoss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-103\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/01_syn_in_gr.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"539\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/01_syn_in_gr.jpg 551w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/01_syn_in_gr-150x150.jpg 150w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/01_syn_in_gr-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-101\" src=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Syn_gr.jpg\" alt=\"\" width=\"536\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Syn_gr.jpg 536w, https:\/\/unter-weissen-fluegeln.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Syn_gr-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Grodno steht an der Bolshaja-Troizkaja-Stra\u00dfe 29a die eindrucksvolle Gro\u00dfe Synagoge von Grodno, sichtbares Zeugnis einer siebenhundertj\u00e4hrigen Tradition j\u00fcdischen Lebens in dieser Stadt. 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