Die Dreifaltigkeitskirche in Widsy

Die Dreifaltigkeitskirche in Widsy (auch: Mariä-Geburts-Kirche) ist mit ihren 59 Meter hohen Türmen eines der höchsten katholischen Gotteshäuser von Belarus. Erbaut von 1909 bis 194, ist es verhältnismäßig jung und vereint in seiner Architektur romanische und neugotische Architekturelemente.

Doch bereits 1481 hatten aus Vilnius stammende Franziskanerinnen hier eine hölzerne Kirche errichtet, die der Unbefleckten Empfängnis Marias geweiht wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die Gemeinde von Jesuiten betreut. Neben der Pfarrkirche bestanden eine Schule und ein Krankenhaus. Nachdem weite Teile Polens mit der Dritten Teilung Polens (1795) dem Russischen Reich einverleibt wurden, wurden das Gotteshaus und die ihm angegliederten Gebäude und Einrichtungen 1818 geplündert. 1835 fiel fast der gesamte Ort Widsy einem Brand zum Opfer; 1867 wurden die Reste der Kirche und der angrenzenden Gebäude endgültig abgerissen. Die Gemeinde bestand indessen fort und zählte 1872 laut den erhaltenen Kirchenbüchern 12.000 Gläubige.

Baubeginn des neuen Gotteshauses war 1909, die Pläne stammten von dem bedeutenden litauisch-polnischen Architekten Vaclovas Michnevičius (1866-1947). Die dreischiffige Basilika mit Querhaus, zwei Sakristeien und Apsis verfügte über zwei mit achteckigen Helmen gedeckte Türme. Zwischen ihnen erhob sich eine dreieckige Fassade, die heute durch eine komplexe, zentrale Fensterrosette bestimmt wird, ursprünglich jedoch ein zentrales, gotisches Hochfenster aufwies. Zinnenartig abgestuftes Mauerwerk schließt die Fassade nach oben hin ab.

Im 1. Weltkrieg wurde das Gebäude 1916 schwer beschädigt. Das Dach und einer der Türme stürzten teilweise ein. Die Wiederherstellung zog sich bis 1932 hin; einige Kanonenkugeln und Granaten beließ man zur Mahnung im Mauerwerk. Auch den 2. Weltkrieg überstand die Basilika nicht unbeschadet. Beim Vormarsch der Roten Armee brannte 1943/44 ein Teil der Stadt ab, und auch die Kirche wurde durch die Gefechte schwer beschädigt.

1945 begann unter Pfarrer Albert Nowicki unter großen Anstrengungen und aktiver Hilfe der Gemeindemitglieder der erneute Wiederaufbau. Er konnte jedoch nicht fortgeführt werden: 1949 wurde Nowicki vom NKWD verhaftet und deportiert, die Kirche im Jahr darauf geschlossen. Die Fenster wurden zerschlagen, das Mauerwerk teilweise eingerissen, selbst vor dem Fußboden machte man nicht halt. In der Folgezeit diente das Gebäude als Lager für Flachs, Getreide und andere lanwirtschaftliche Erzeugnisse. Versuche der Gemeinde, die Kirche als Gotteshaus zurückzuerhalten, scheiterten, und 1961 wurde sie gar aus den staatlichen Sakral-Inventaren getilgt und der Braslawer Fachschule für Mechanisierung zur Nutzung als Sporthalle überschrieben.

1989 wurde der Bau der Gemeinde zurückgegeben; die daraufhin begonnene Restaurierung ist bis heute nicht abgeschlossen. Das heutige Interieur ist schlicht und modern, da die ursprüngliche Gestaltung des Innenraums und auch die Orgel die Zeitläufte nicht überdauert haben.