Kategorie: Natur

Die Landwirtschaft: ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Weißrusslands

Die Landwirtschaft ist in Weißrussland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Das Land steht bei der Produktion von Getreide, Preiselbeeren und Flachs (als Basis für Leinengewebe) weltweit auf den vorderen Plätzen. Zudem spielen Ackerbau und Viehzucht weiterhin eine für die Selbstversorgung der Bevölkerung nicht wegzudenkende Rolle .

Gut 40 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Bei den Betriebsformen überwiegen die landwirtschaftlichen Großbetriebe; ihr Anteil ist zwischen 2010 und 2018 um fast 15 Prozent gestiegen. Hervorgegangen aus den früheren Kolchosen und Sowchosen, liegen ihre Schwerpunkte auf dem Getreideanbau und der Viehwirtschaft, hier namentlich der Rinder- und Schweinemast.

Obwohl Weißrussland seinen Bedarf an Fleisch quantitativ selbst decken könnte, muss weiterhin Fleisch importiert werden. Dessen Qualität ist konstanter als das im eigenen Land produzierte, die Kosten sind geringer (was in erster Linie mit der geringeren Produktivität und Effizienz der weißrussischen Viehwirtschaft zu erklären ist), und die Verarbeitung ist leichter, weil das importierte Fleisch tiefgekühlt und in standardisierten Transportverpackungen angeliefert wird.

Die Milchproduktion hat in Weißrussland mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie in anderen europäischen Ländern: mit sinkenden Ankaufspreisen bei gleichzeitiger Steigerung der Futterpreise; hinzu kommen aber Rentabilitätsdefizite sowie die geringere jährliche Milchleistung der in Weißrussland gehaltenen Kühe. Aus diesem Grunde muss das Land auch Milch und Milchprodukte importieren.

Die Anzahl der nebenwirtschaftlich genutzten Höfe, die in erster Linie zur Sicherung der eigenen Lebensmittelversorgung dienen, ist zwischen 2010 und 2018 etwa in dem Maße gesunken, wie der Anteil der Großbetriebe zugenommen hat. Die Nebenwirtschaften produzieren vor allem Gemüse und beliefern den inländischen Markt mit 80 Prozent der Kartoffeln und 68 Prozent des Gemüses. Auch Kleinvieh (z.B. Ziegen, Schafe) und Pferde hält die Bevölkerung in viel größerem Maße als die Großunternehmen.

Die nebenwirtschaftlich geführten Höfe arbeiten für den Eigenbedarf und bieten ihre Produkte auf den lokalen und regionalen Märkten an. Dabei kommt ihnen zugute, dass Futter, Dünger, Treibstoff, Ersatzteile für Maschinen und Geräte günstig oder kostenfrei über die Großbetriebe beschafft bzw. genutzt werden können.

Marginal ist die Anzahl der privaten Kleinbauern, die die Landwirtschaft hauptberuflich betreiben.

Das Klima in Weißrussland bietet beste Bedingungen für den Getreideanbau. Vor allem Weizen, Gerste, Roggen, Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Mais werden kultiviert.

Der Agrarhandel zwischen Weißrussland und der Europäischen Union spielt, bezogen auf den gesamten Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen des Landes (etwa mit Russland), keine große Rolle. Belarus exportiert in erster Linie Rohstoffe wie Salz, Zucker und Pflanzenöl nach Westeuropa und importiert von dort Milchprodukte, Teig- und Backwaren.

Energiepflanzen werden kaum angebaut, und auch der Anteil ökologisch erzeugter Produkte ist gering.

Baustelle im Nirgendwo

Fast wirkt es so, als wäre diese Baustelle im Niemandsland – tatsächlich handelte es sich aber um Drainage-Arbeiten zur Be- und Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen.

Knopka – Knöpfchen

Knopka (Knöpfchen), ein Mischlingswelpe aus einem Dorf im Westen Weißrusslands, wurde in einer aufgegebenen Kaserne aufgefunden, zeigte sich sehr anhänglich und konnte später an einen neuen Besitzer weitergegeben werden. Dieses Glück hat nicht jedes herrenlose Tier. In ländlichen Gebieten gibt es eine große Zahl von ihnen, vor allem Katzen. Doch auch Hunde trifft man allenthalben an, insbesondere dort, wo Nahrung für sie abfällt: auf Müllkippen, bei Schlachthöfen und vor Lebensmittelgeschäften. Oft werden diese Tiere von mitleidigen Arbeitern oder Anwohnern versorgt.

In den Großstädten ist die Lage nochmals deutlich dramatischer. In der Millionenstadt Minsk gibt es ein staatliches Tierheim, in dem krank eingelieferte Tiere sofort eingeschläfert werden und – bei Kapazitätsüberschreitung – überzählige Hunden und Katzen unverzüglich. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, und auch die Unterbringung der Tiere – auch im Winter teilweise in offenen Zwingern – ist nicht artgerecht.

Einige kleinere private Initiativen versuchen Abhilfe zu schaffen, doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Die Einrichtungen werden ausschließlich privat finanziert und von Freiwilligen betreut.

Die Weißrussen sind ausgesprochen tierlieb. In merkwürdigem Gegensatz dazu steht die große Anzahl herrenloser Tiere, die bei den Menschen weniger Mitleid als vielmehr Ablehnung und Ekel hervorrufen.

Markante Landmarken: Wassertürme

Zum weißrussischen Landschaftsbild gehören sie einfach dazu: Kleine stählerne Wassertürme, oft in der Nähe von Dörfern oder Datscha-Siedlungen. Ihre Silhouette geht auf die Konstruktion des sowjetischen Ingenieurs A. A. Roschnowski zurück, der diese nach ihm benannten Türme im Jahre 1936 plante und die sich in der Folgezeit in der gesamten Sowjetunion großer Beliebtheit erfreuten.

Konstruktion, Aufbau und Unterhaltung sind denkbar einfach, der Betrieb und die Wartung erfordern nur geringen Aufwand. Eine Heizvorrichtung zur Vermeidung des Einfrieren des Vorratswassers ist nicht erforderlich, da das Verhältnis zwischen der Größe des Reservoirs und des Wasserzu- und Abflusses auch bei Temperaturen bis – 35 Grad Celsius ein Einfrieren verhindert (die entsprechenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten waren bereits 1925 vom Ingenieur P. I. Semskow errechnet worden). In größeren Dörfern versorgen mehrere kleinere Wassertürme einzelne Straßen oder Viertel mit Wasser. Auch als Löschwasser-Reservoir finden die Roschnowski-Wassertürme Verwendung.

In ländlichen Gebieten sind diese Bauten eine einfache Konstruktion aus Stahlblech. Das Reservoir fasst i.d.R. zwischen 15 und 50 Kubikmeter Wasser. Die Säule, auf der das Reservoir ruht, ist zwischen 12 und 20 Metern hoch und hat, je nach Größe des Vorratsbehälters, einen Durchmesser von 1,20 bis 3 Metern (in Großstädten fassen Roschnowski-Wassertürme mehrere tausend Kubikmeter Wasser und sind auch äußerlich entsprechend größer und aufwendiger gebaut). Zur Wartung und Kontrolle ist außen eine einfache stählerne Leiter angebracht; an der Säule und am Reservoir erlauben Luken die Sichtkontrolle des Inneren. Im Turm selbst befinden sich die Leitungen für Wasserzu- und Ablauf, die Wasserstands-Messeinrichtung , die bei Erreichen des Maximalpegels die i.d.R. in einem Nebengebäude untergebrachte Wasserförderpumpe abschaltet. Bei größeren Türmen ist auch im Innern des Fußes eine Leiter für Wartungsarbeiten angebracht.

Roschnowski erhielt für seine Konstruktion 1942 den Stalin-Orden.