Die Landwirtschaft: ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Weißrusslands

Die Landwirtschaft ist in Weißrussland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Das Land steht bei der Produktion von Getreide, Preiselbeeren und Flachs (als Basis für Leinengewebe) weltweit auf den vorderen Plätzen. Zudem spielen Ackerbau und Viehzucht weiterhin eine für die Selbstversorgung der Bevölkerung nicht wegzudenkende Rolle .

Gut 40 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Bei den Betriebsformen überwiegen die landwirtschaftlichen Großbetriebe; ihr Anteil ist zwischen 2010 und 2018 um fast 15 Prozent gestiegen. Hervorgegangen aus den früheren Kolchosen und Sowchosen, liegen ihre Schwerpunkte auf dem Getreideanbau und der Viehwirtschaft, hier namentlich der Rinder- und Schweinemast.

Obwohl Weißrussland seinen Bedarf an Fleisch quantitativ selbst decken könnte, muss weiterhin Fleisch importiert werden. Dessen Qualität ist konstanter als das im eigenen Land produzierte, die Kosten sind geringer (was in erster Linie mit der geringeren Produktivität und Effizienz der weißrussischen Viehwirtschaft zu erklären ist), und die Verarbeitung ist leichter, weil das importierte Fleisch tiefgekühlt und in standardisierten Transportverpackungen angeliefert wird.

Die Milchproduktion hat in Weißrussland mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie in anderen europäischen Ländern: mit sinkenden Ankaufspreisen bei gleichzeitiger Steigerung der Futterpreise; hinzu kommen aber Rentabilitätsdefizite sowie die geringere jährliche Milchleistung der in Weißrussland gehaltenen Kühe. Aus diesem Grunde muss das Land auch Milch und Milchprodukte importieren.

Die Anzahl der nebenwirtschaftlich genutzten Höfe, die in erster Linie zur Sicherung der eigenen Lebensmittelversorgung dienen, ist zwischen 2010 und 2018 etwa in dem Maße gesunken, wie der Anteil der Großbetriebe zugenommen hat. Die Nebenwirtschaften produzieren vor allem Gemüse und beliefern den inländischen Markt mit 80 Prozent der Kartoffeln und 68 Prozent des Gemüses. Auch Kleinvieh (z.B. Ziegen, Schafe) und Pferde hält die Bevölkerung in viel größerem Maße als die Großunternehmen.

Die nebenwirtschaftlich geführten Höfe arbeiten für den Eigenbedarf und bieten ihre Produkte auf den lokalen und regionalen Märkten an. Dabei kommt ihnen zugute, dass Futter, Dünger, Treibstoff, Ersatzteile für Maschinen und Geräte günstig oder kostenfrei über die Großbetriebe beschafft bzw. genutzt werden können.

Marginal ist die Anzahl der privaten Kleinbauern, die die Landwirtschaft hauptberuflich betreiben.

Das Klima in Weißrussland bietet beste Bedingungen für den Getreideanbau. Vor allem Weizen, Gerste, Roggen, Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Mais werden kultiviert.

Der Agrarhandel zwischen Weißrussland und der Europäischen Union spielt, bezogen auf den gesamten Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen des Landes (etwa mit Russland), keine große Rolle. Belarus exportiert in erster Linie Rohstoffe wie Salz, Zucker und Pflanzenöl nach Westeuropa und importiert von dort Milchprodukte, Teig- und Backwaren.

Energiepflanzen werden kaum angebaut, und auch der Anteil ökologisch erzeugter Produkte ist gering.

Die Kirche vom Skapulier der Gottesmutter Maria in Idolta

Der Ort Idolta gehörte im 16. Jahrhundert dem im Großfürstentum Litauen einflussreichen Geschlecht Rudominow-Dusjazki, ehe es Anfang des 18. Jahrhunderts an die Fürsten Sapiega und – wiederum mehr als ein Jahrhundert später – an die Familie Milosz überging. 1921 wurde Idolta polnisch.

Der Bau der katholischen Kirche vom Skapulier der Gottesmutter Maria wurde 1937 begonnen und zwei Jahre später vollendet. Der Grundriss ist rechteckig; alle Gebäudeteile sind aus Ziegelmauerwerk, das auf einem Bruchsteinsockel steht. Die beiden Seitenschiffe sind vom Hauptschiff durch Arkaden getrennt, deren halbkreisförmige Bögen die Rundbögen der Kirchenfenster wiederaufnehmen.

An den Altarraum schließt sich eine runde Apsis an, rechts und links vom Altarraum befinden sich zwei Sakristeiräume mit quadratischem Grundriss. Der Kirchturm ist nicht zentral an den Hauptbau angegliedert, sondern steht rechts von der Hauptfassade. Ihrem zentralen bzw. linken Teil ist eine ebenerdige Galerie vorgesetzt, die ebenfalls von Rundbögen durchbrochen ist.

In Belarus gibt es eine ganze Reihe von Kirchenbauten, die – mehr oder weniger ausgeprägt – dem Jugendstil zugerechnet werden können. Die Kirche in Idolta ist eines dieser Beispiele.

Meridian 28 – Interview

Merdian 28 ist eine Gruppe weißrussischer Reise-Enthusiasten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, in ihrer Heimat versteckte, unbekannte, vergessene Orte aufzusuchen und über sie zu berichten. „Unser Projekt“, heißt es auf der Startseite der Gruppe im Internet, „beinhaltet das, worüber in Reiseführern nicht geschrieben wird. Meridian 28 interessiert sich für Festungsanlagen aller Epochen, Objekte des Kalten Krieges, wichtige historische und Kulturdenkmäler, verlassene Gutshäuser und Schlösser, interessante Naturdenkmäler und Kulturlandschaften. Wir sind fest überzeugt, dass unser Land unglaublich reich an interessanten und unbekannten Orten ist. Unsere Werte sind Freundschaft, Achtung und Gewissenhaftigkeit. In unserem Projekt setzen wir unsere Ideen um, und wir tun das unglaublich gern!“

Die bisherigen Expeditionen des Meridian 28-Teams haben zu einer beeindruckenden Vielzahl spannender Entdeckungen geführt. „Unter weißen Flügeln“ sprach mit dem verantwortlichen Redakteur Maksim Tarnalitskij.

Maksim, erzählen Sie kurz etwas über sich selbst.

Ich bin 28 Jahre alt. Ich lebe in Minsk und arbeite als Fotojournalist für eine der größten Internet-Informationsseiten Weißrusslands. Mein Hobby sind Reisen zu unbekannten Orten.

Was für eine Ausbildung haben Sie? Steht Ihr Projekt „Meridian 28“ damit in Verbindung?

Ich habe ein Studium an der Historischen Fakultät der Weißrussischen Staatlichen Universität absolviert. „Meridian 28“ ist indirekt mit historischen Themen verbunden, hat aber eher publizistischen Charakter.

Sie wenden viel Zeit und Mittel für Ihr Projekt auf. Wie finanzieren Sie Ihre Reisen, die Kosten für die Internetpräsenz usw.?

Für das Projekt werden ausschließlich die eigene Freizeit und die eigene Kraft verwendet. Leider gelingt es nicht immer, angedachte Reisen zu realisieren, weil die Zeit fehlt. Die Finanzierung geschieht aus eigener Tasche, zum Glück ist hierfür nicht allzu viel Geld notwendig.

Gab es einen Anstoß für das Projekt?

Nein, uns hat das Reisen schon immer Spaß gemacht. „Meridian 28“ ist das Ergebnis, unseren Reisen einen übergeordneten Sinn zu verleihen und sie zu systematisieren.

Wie haben Sie Ihre Mitstreiter kennengelernt? Während des Studiums? Oder hat Sie das Projekt zusammengeführt?

Reisen und Recherchen führen Menschen oft zusammen. Mit Leonid Uwarow, einem der Projektgründer, bin ich zusammen zur Schule gegangen, wir sind schon lange befreundet. Aleksandr Aleksandrow stieß Dank seiner langjährigen Leidenschaft fürs Reisen durch ganz Weißrussland zu uns.

Gibt es eine bestimmte „Frequenz“ Ihrer Expeditionen, oder beschließen Sie Ihre Fahrten und Ziele spontan?

Wir haben eine Auswahl von Orten und Zielen, aber feste Pläne gibt es nicht. Die Reisen und Forschungen finden spontan statt, abhängig von der Zeit, die wir zur Verfügung haben.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, was Sie anschauen werden? Nach eigenem Interesse? Unter Berücksichtigung der Interessen Ihrer Leser? Gemäß den finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten?

Das Geld und die Interessen des Publikums spielen keine Rolle. Wir machen das Projekt für uns selbst, und dabei haben unsere Interessen oberste Priorität. Häufig richten sich Reiseroute und Expeditionsthema nach der Zeit, die wir für die jeweilige Fahrt aufwenden möchten.

Gibt es in Ihrem Team feste Zuständigkeiten? Wer ist wofür verantwortlich?

Klar abgegrenzte Zuständigkeiten gibt es nicht. Jeder tut, was er am besten kann. Ich mache die redaktionelle Arbeit und die Planung, schreibe Texte und fotografiere. Die anderen Mitglieder des Teams unterstützen mich dabei.

Wie reagieren die Leute vor Ort darauf, dass Sie Orte in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft erforschen?

Oft ist es den Leuten vor Ort völlig gleichgültig.

Wie steht Ihre Familie zu „Meridian 28“? Unterstützt sie Sie, oder stören Ihre Expeditionen das Familienleben?

Meine Familie hat Verständnis für mein Hobby. Die Reisen könnten das Familienleben nur stören, wenn es in der Familie keine Harmonie und kein Verständnis gäbe.

Hinsichtlich des Erhaltungszustandes von Sehenswürdigkeiten und Kulturschätzen ist die Situation in Deutschland deutlich besser als in Belarus. Angenommen, alle Architekturdenkmäler Weißrusslands befänden sich in gutem Zustand und wären problemlos zugänglich – würde Ihnen das gefallen, oder würden Sie es eher bedauern, keine Möglichkeit mehr zu haben, vergessene Denkmäler zu entdecken?

Wenn in Weißrussland alle Denkmäler in solch einem Zustand wären wie in Deutschland, würden wir uns sicher nicht mit etwas beschäftigen wie „Meridian 28“. Wahrscheinlich würden wir uns einen Wohnwagen kaufen und so reisen, wie man es in Europa tut.

Wenn man davon ausgeht, dass sich die Völker der Welt durch bestimmte Eigenschaften oder einen bestimmten „Charakter“ auszeichnen – wie würden Sie dann die Weißrussen beschreiben?

In der weißrussischen Sprache gibt es das Wort „pamjarkouny“, das bedeutet nachgiebig, entgegenkommend, fügsam. Das ist die typische Eigenschaft und zugleich das Unglück aller Weißrussen.

Osada Dedino – ist Großvaters Landgut dem Untergang geweiht?

Unweit des Dorfes Dedino (Kreis Mijory, Gebiet Witebsk) steht das Landgut der alteingesessenen Adelsfamilie Rudnitzki. „Osada Dedino“ bedeutet so viel wie „Großväterliche Besitzung“, „Großväterliches Erbe“. Erstmals belegt ist der Ort in Quellen, die ins 16. Jahrhundert datieren, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1517. Wenige Jahrzehnte später, 1550, wird das Dorf bereits als Siedlung mit einer Kirche geführt.

Ende des 17. Jahrhunderts gelangte das Dorf in den Besitz der Familie Rodominow (Rudominow) – eines uralten Geschlechts im Großfürstentum Litauen, das Kaufleute, Diplomaten, Offiziere und Literaten hervorgebracht hatte. 1768 verkauft die Familie das Dorf und die Ländereien an Jan Rudnitzkij, der im Großfürstentum Litauen den Rang eines Rittmeisters bekleidete. Damit wurde der Ort zum Stammsitz der Rudnitzkis.

1810 veranlasste Alexander Rudnitzkij, der Son Jan Rudnitzkis, den Neubau eines Gutshauses nach Plänen des polnisch-litauischen Architekten Witkowski, von dem Namen und Lebens- und Sterbedaten nicht überliefert sind. 1820 wurde der Bau des Herrenhauses vollendet. Vor dem Gebäude wurde ein Landschaftspark angelegt, dessen Anlage heute noch erkennbar ist.

Beim Gebäude handelt es sich um einen rechteckigen Bau mit Walmdach. Den Zugang überdacht ein von vier Säulen getragener Portikus. Karnise und Risalite gliedern Vorder- und Seitenfassaden. Im Innern führt vom Vestibül eine Treppe ins Obergeschoss. Die Aufteilung der Räumlichkeiten war im Erdgeschoss annähernd quadratisch bzw. rechteckig; im Obergeschoss gab es einen Saal und weitere, großzügig angelegte repräsentative Räumlichkeiten. Im Untergeschoss befanden sich die Wirtschaftsräume.

Das Landgut blieb über Generationen im Besitz der Familie Rudnitzki, bis Siegmund Rudnitzki, bekannt und berüchtigt für seinen aufwendigen, verschwenderischen Lebensstil, gezwungen war, es in den 1930er Jahren an die Familie Wischnewetzki überschreiben zu lassen, um seine Schulden bei ihnen zu begleichen. Neun Jahre später jedoch gelang es Siegmunds Schwägerin Aljona Jablonskaja, den Besitz zurückzukaufen; sie überschrieb ihn jedoch nicht Siegmund, sondern der Universität Winniza (in der heutigen Ukraine gelegen).

Mit Beginn des 2. Weltkriegs kehrte Siegmund Rudnitzki nach Dedino zurück. Als das Gebiet von den deutschen Truppen besetzt wurde, ernannten sie Siegmund zum Dorfältesten. Gegenüber der Dorfbevölkerung verhielt dieser sich jedoch immer gutherzig und erfüllte die Befehle der deutschen Besatzer nicht, wofür er schließlich ermordet wurde, nachdem er zuvor sein eigenes Grab hatte ausheben müssen. Wo sich dies befindet, ist unbekannt; aber gegenüber vom Gutshaus war einst seine Mutter, Maria Rudnitzki, beerdigt. Das Grab wurde von Grabräubern geplündert, aber der Grabstein ist erhalten und befindet sich noch auf dem Gelände.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gutshaus unterschiedlich genutzt, u.a. als Verwaltungsgebäude der Kolchose „Der Weg Lenins“. Seit den 1970-er Jahren verfällt es zusehends. Der Versuch, es an einen Investor zu verkaufen, schlug fehl. Da weder die Gemeinde noch der Landkreis oder die Gebietsverwaltung über die Mittel zur Restaurierung und Unterhaltung des Denkmals verfügen, scheint es dem Untergang geweiht zu sein.

Weißrusslands Nationalflagge

Das Aussehen der weißrussischen Nationalfahne wurde am 7. Juni 1995 verabschiedet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten vier Jahre lang die weiß-rot-weißen Landesfarben Bestand, die bereits zwischen 1919 und 1925 von der weißrussischen Exilregierung verwendet worden waren.

Die gegenwärtig gültige Nationalflagge zeigt indessen stärkere Anklänge an die Symbolik der Sowjetunion, es fehlen nur Hammer und Sichel. Das Muster am Rand macht ein Neuntel der Fahnenlänge aus und stellt ein traditionelles weißrussisches Ornament dar. Zwei Drittel der Flaggenhöhe werden von der Farbe Rot eingenommen; sie soll das bei der Verteidigung der Heimat vergossene Blut symbolisieren. Die grüne Fläche schließlich versinnbildlicht Weißrusslands Waldreichtum.

Saporoschez 966 und 968

Die Ursprünge der Saporischjaer Automobilbau-Fabrik (ukrain. Saporisky Awtomobilebudiwny Sawod, SAS) gehen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als der aus Deutschland eingewanderte J. Koop einen Betrieb zur Herstellung von Landmaschinen gründete. 1960 wurde der erste Personenwagen vorgestellt, der Saporoschez 965, dessen Design stark ans Äußere des Fiat 600 angelehnt war. Der kleine Italiener wurde ab 1955 produziert und war so erfolgreich, dass zahlreiche Lizenzproduktionen aufgelegt wurden, u.a. in Spanien (Seat 600), Jugoslawien (Zastava 750) und Deutschland (NSU Fiat Jagst). In der sowjetischen Variante war ein 0,7 Liter großer Heckmotor verbaut.

Stilistisches Vorbild des Nachfolgers Saporoschez 966/968 war unverkennbar der seit 1961 gebaute NSU Prinz 4. Anders als bei diesem war im Saporoschez anfangs ein ebenfalls im Heck angeordneter V4-Motor mit 0,9 Litern Hubraum und 27 PS montiert. Er wurde bald durch einen 1,2-Liter-Reihen-Vierzylindermotor ersetzt, den 1972 erneut ein V4-Motor mit 40 PS ablöste. Der Wagen wurde außer in den Warschauer-Pakt-Staaten auch in Belgien als Jalta 1000 mit einem Motor von Renault verkauft.

Schon bei der ersten Baureihe deuteten die großen Lufteinlässe eines der Hauptprobleme des Fahrzeugs an: die Überhitzung der anfangs luftgekühlten Motoren. Bei in Weißrussland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion erhaltenen 968-Modellen sieht man mitunter die abenteuerlichsten Eigenkonstruktionen zur Verbesserung der thermischen Belastbarkeit des Aggregats. Neben pausbäckigen Luftleitblechen an den hinteren Kotflügeln wurde gern auch unförmige Hutzen über die Kühlschlitze der Motorhaube aufgesetzt.

Wegen seines knatternden Motorensounds, seiner Hochbeinigkeit und seines durch die Heckmotor-Bauweise nicht nur im Grenzbereich problematischen Fahrverhaltens wurde der Wagen nie richtig ernstgenommen, die diversen Schiguli-Varianten etwa (in Westeuropa als Lada Nova bekannt) waren deutlich beliebter. Andererseits erwies sich das ab Werk lieblos verarbeitete Fahrzeug als recht robust und erlangte in ländlichen Gegenden wegen seiner “beispielhaften Federung und Dämpfung” eine gewisse Beliebtheit.

(Für die Details vergleiche Michael Dünnebier; Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. Berlin-O. 1990, 167-171).

Baustelle im Nirgendwo

Fast wirkt es so, als wäre diese Baustelle im Niemandsland – tatsächlich handelte es sich aber um Drainage-Arbeiten zur Be- und Entwässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen.

Die Kreuzerhöhungskirche in Golynka

Die Kreuzerhöhungskirche im Dorf Golynka wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus verputztem Ziegelmauerwerk erbaut. Ursprünglich war es ein russich-orthodoxes, dem Heiligen Michael geweihtes Gotteshaus. 1919 wurde es katholisch und heißt seitdem Kreuzerhöhungskirche.

Über dem Hauptportal des rechteckigen Gebäudes im pseudorussischen Stil erhebt sich ein zweistöckiger Glockenturm mit achteckigem Turmhelm und Zeltdach. Die Vierung ist ebenfalls mit einem Zeltdach gedeckt, das seinerseits mit einem niedrigen Türmchen bekrönt ist. Auf Haupt- und Seitenschiffen liegt jeweils ein einfaches Pultdach. Die Wände sind von rundbogenförmigen Einzel- und Doppelfenstern durchbrochen. Die Deckengewölbe sind mit Holz verkleidet; die Empore wird von zwei achteckigen hölzernen Säulen getragen.

Poststationen in Weißrussland

Die Entstehung von Poststationen geht auf dem Territorium des Russischen Reiches bis in die Zeit Peters d. Gr. (1672-1725) zurück. Im Zuge der Entwicklung von Verkehrswegen musste die für die schnelle Beförderung von Depeschen und anderen Dokumenten nötige Infrastruktur ausgebaut werden – insbesondere der regelmäßige Wechsel der Postpferde war von großer Bedeutung. Zunächst nur in hölzernen Bauernhäusern und improvosierten landwirtschaftlichen Gebäuden untergebracht, wurde die Entwicklung solcher Stationen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend planvoll angegangen („Plan zur Einführung von Poststationen und Amtsbezeichnungen ihrer Inhaber“ vom 22.03.1770).

Das Gebiet des heutigen Weißrussland gehörte zu dieser Zeit zum Doppelstaat Polen-Litauen, der in drei Teilungen zwischen 1772 und 1793 zerschlagen wurde. Weißrussland fiel dabei vollständig unter russische Herrschaft, was die rasche Angleichung der Verkehrs-Infrastruktur an die im russischen Reich üblichen Standards erforderlich machte.

Die bis dahin in unregelmäßigen Entfernungen unterhaltenen hölzernen Stationsgebäude, die sich kaum von gewöhnlichen Bauernhütten unterschieden, wurden bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts durch besser geeignete Bauten ersetzt. In den 1830-er Jahren existierten – insbesondere auf den wichtigen Verkehrswegen nach Westeuropa – um die 70 Poststationen, von denen etwa ein Drittel aus Stein erbaut war. Grundriss und Architektur folgten der (auch im übrigen Gebiet des Reiches erst 1820 per Dekret festgelegten) Typologie: Die Fassade des eingeschossigen Stationsgebäudes war der Straße zugewandt; im Innern befanden sich das Büro des Stationsvorstehers und Räumlichkeiten für die Fahrgäste. Je nach Bedeutung und Größe der Station waren hier Tische, Stühle und ein Buffet untergebracht, wo die Reisenden Kaffee, Tee und auch Spirituosen kaufen konnten.

Rechts und links des Gebäudes schlossen sich die Tore für Zu- und Abfahrt der Fuhrwerke und Equipagen an. Das gesamte Grundstück war seitlich und nach hinten durch einen Zaun oder eine Mauer eingefasst, an deren Längs- und Querseiten sich Wirtschaftsgebäude, eine Remise, Scheunen, Stallungen und Unterkünfte für die Bediensteten der Fahrgäste befanden.

Abb. aus: Tschatorowa, E. R.: Architekturnaja tipologija potschtowych stanzionnych domow Moskowsko-Sibirskogo trakta w Tomskoj gubernii XIX v. (Die architektonische Typologie der Poststationshäuser des Fernweges von Moskau nach Sibirien im Gouvernement Tomsk im XIX Jahrhundert), Tomsk 2015, S. 78.

Es handelte sich bei diesen Poststationen also nicht nur um ein einzelnes Gebäude sondern um einen zusammenhängenden, zweckmäßigen architektonischen Komplex. 1823, 1843 und 1846 überarbeitete die Regierung die 1820 eingeführte Typologie dieser Anlagen. Je nach Größe entsprach die einzelne Station einer festgelegten, von I bis IV nummerierten Kategorie. Kleinere und größere Stationen wechselten sich entlang der Straße ab. Auf drei bis vier kleinere Stationen, teilweise ohne eignen Hof und Wirtschaftsgebäude, folgte eine größere mit den bereits erwähnten Annehmlichkeiten für Reisende und Bedienstete. In historischen Akten ebenso wie in zeitgenössischen Reiseberichten gibt es jedoch Hinweise darauf, dass die Bauvorschriften oft nicht immer eingehalten wurden, sondern sich im Gegenteil Anspruch und Wirklichkeit deutlich unterschieden und der Reisende anstelle einer zweckmäßigen, einen gewissen Komfort bietenden Anlage vernachlässigte Gebäude vorfand, die sich kaum von den Bauernhütten der angrenzenden Weiler unterschieden.

Heute gibt es in Weißrussland noch rund fünfzig historische Poststationen. Ihrem ursprünglichen Zweck dienen nur noch wenige; gelegentlich ist eine Postfiliale darin untergebracht, aber viele werden als Wohnhäuser genutzt, andere beherbergen Geschäfte, und nicht wenige befinden sich – seit Jahren ungenutzt – in unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Ihr geschlossener Grundriss und ihre einstige Bestimmung sind jedoch vielfach noch gut erkennbar, insbesondere, wenn nicht nur das Stationsgebäude selbst erhalten ist, sondern auch die Hofanlage dahinter. Oft finden sich diese Denkmäler inzwischen innerhalb der Ortschaften, die sie einst miteinander verbanden. Im Laufe der Jahrezehnte erweitert, erreichte die städtische Besiedlung schließlich die vormals einzeln gelegenen Poststationen, die ins Stadtbild eingegliedert wurden.

Puppentheater in Russland und Weißrussland

Die frühesten Zeugnisse über das Puppentheater in Russland stammen von dem deutschen Gelehrten Adam Olearius (1599–1671). Als Mitglied einer über Russland nach Persien reisenden Gesandtschaft weilte er zwischen März und Dezember 1636 in Russland, wo er die skomorochi erlebte, die Spielmänner und fahrenden Komödianten:

Es pflegen auch solche abscheuliche Dinge die Bierfidler auf öffentlicher Strasse zu singen / etliche dem jungen Volcke und Kindern in einem Kunzgen- oder Poppenspiel umbs Geld zu zeigen. Dan ihre Bärendäntzer haben auch solche Comedianten bey sich / die unter andern alsbald einen Possen […] mit Poppen agiren können; Binden umb den Leib eine Decke / und staffeln sie über sich / machen also ein theatrum portatile oder Schauplatz / mit welchen sie durch die Gassen umbher lauffen / und darauf die Poppen spielen lassen können (Olearius, Adamus: Des Welt-berühmten Adami Olearii colligirte und viel vermehrte Reise-Beschreibungen Bestehend in der nach Mußkau und Persien. Hamburg 1696. 3. Buch, S. 98.). Wie in anderen Regionen Westeuropas ist das Puppenspiel auch in Russland zunächst auf traditionelle Bräuche und heidnische Lebensvorstellungen zurückführbar und nahm erst später – ebenfalls nach ausländischem Vorbild – satirischen Charakter an. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erfreute sich die Figur des Petruschka besonderer Popularität. Er überwindet nicht nur die weltliche und geistliche Obrigkeit, sondern erweist sich sich auch in Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Teufel als der Stärkere.

Die Untermalung der zumeist von 1–2 Personen gespielten Szenen besorgten zunächst Gusli- und Pfeifenspieler. Ab Ende des 19. Jahrhunderts begleiten immer häufiger Drehorgeln die Vorstellungen. Die „Bühne“ gaben Schürzen ab, die am Gürtel der Puppenspieler befestigt und nach oben über die Köpfe gezogen wurden, später wurden einfache, ein- bis dreiteilige Wandschirme verwendet, oder man warf ein größeres Stück Stoff über eine zwischen zwei Stangen gespannte Schnur. Die Puppenspieler benutzten Handpuppen mit großen, aus Holz geschnitzten oder aus Lappen und Karton geformten und auf den Zeigefinger gesteckten Köpfen. Der allegorische Charakter der Handlung bewirkte eine stark verallgemeinerte Darstellung der Charaktere ohne detailliertere Ausgestaltung.

In Weißrussland verbreitete sich bereits an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert das mystisch-religiöse Theater (Batlejka), in dem zunächst Szenen aus den Evangelien dargestellt wurden. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts fanden auch Sujets aus dem täglichen Leben der Menschen Einzug in die Vorstellungen. Die Charaktere wurden vielfältiger: Neben den „Moskowiter“ traten Zigeuner, polnische Pani (Herren), Schankwirte, der Bauer Mosej und andere Personen.

Die Figur des Petruschka verlor seit Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich an Kontur, als die Rückständigkeit der traditionellen Komödie mit dem Erwachen eines bürgerlichen Gesellschaftsbewusstseins immer offenkundiger wurde. Die fahrenden Puppenspieler gerieten unter Verfolgung, und auch die Versuche satirischer Schriftsteller wie W. S. Kurotschkin (1831–1875), das Puppentheater durch die Erweiterung des Repertoires zu erneuern, waren wegen der allgegenwärtigen zaristischen Zensur nicht von Erfolg gekrönt. Gleichzeitig versuchten Anhänger wie Gegner der Autokratie, die Volksnähe des Puppentheaters für sich zu nutzen.

Bis zur Oktoberrevolution hatten solche Bemühungen nur geringen Erfolg. Nach 1918 gewann jedoch das Puppentheater als Theater für Kinder wie als Bühne für politische Agitation erneut an Bedeutung. Zur Aufführung kamen sowohl Klassiker (z.B. Das Märchen vom Zaren Saltan und die Fabeln I. A. Krylovs, 1769–1844) als auch allegorische Sujets wie David und Goliath (David i Goliaf) oder Der Krieg der Kartenkönige (Wojna kartotschnych korolej). Das sog. Agit-Theater verbreitete sich besonders stark in den Jahren des Bürgerkriegs; aufgeführt wurden Werke von W. W. Majakowski (1893–1930), Demjan Bednyj (1883–1945) und anderen zeitgenössischen Dichtern und Schriftstellern.

Als folgenreich für die Geschichte des sowjetischen Puppentheaters erwies sich das Mitte der 1920-er Jahre gegründete Leningrader Puppentheater (Leningradski teatr kukol), an dem professionelle Dramaturgen, Komponisten, Maler und Bildhauer beschäftigt waren und bald auch professionelle Puppenspieler ausgebildet wurden. Diesem Beispiel folgend, wurden auch in anderen Städten der Sowjetunion Puppen- und Marionettentheater wiederbelebt oder ins Leben gerufen. Das Zentrale Puppentheater (Cetral’nyj teatr kukol; 1930) erweiterte und systematisierte die darstellerischen Möglichkeiten dieser speziellen Form der szenischen Darstellung. Auch hier wurden Klassiker der Weltliteratur neben Werken sowjetischer Schriftsteller auf die Bühne gebracht.

Während des 2. Weltkriegs wurde die Tradition des Agit-Theaters wiederbelebt. In den 1950-er und 1960-er Jahren erfuhr das Figurentheater immer stärkere Verbreitung; die Zahl der Theater wuchs, man organisierte nationale und internationale Wettbewerbe. In ganz Osteuropa wurden feste staatliche Bühnen eingerichtet, die damit verknüpften Berufe wurden in umfangreichen Ausbildungen vermittelt. Bis heute existieren viele dieser Häuser auch in Weißrussland. Weiterhin staatlich organisiert und finanziert, haben sie zwar mit baufälligen Gebäuden und wachsenden Betriebskosten zu kämpfen, sind jedoch zugleich fester Bestandteil der weißrussischen Kulturlandschaft. Das Repertoire richtet sich nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene und umfasst wie bisher die Klassiker der Weltliteratur, der russischen und sowjetischen Literaturgeschichte sowie neue, speziell für die Puppenbühnen geschriebene Stücke.